Frauen in der Neonazi-Szene: Journalistin Andrea Röpke stellte Dokumentation vor

Mädchen von nebenan

Aufmerksam: Viele Zuhörer lauschten am Dienstag gespannt.

Ziegenhain. Längst sind Neonazis in der Mitte der Gesellschaft angekommen: Daran zweifelt seit Dienstagabend sicher keiner der Zuhörer mehr. Journalistin Andrea Röpke stellte in den Beruflichen Schulen ihre Dokumentation „Mädelsache! – Frauen in der Neonazi-Szene“ vor. Organisiert worden war der Abend von der Initiative „Schwalmstadt bleibt bunt“.

Vorbei sind die Zeiten, in denen Neonazis sich durch Springerstiefel oder Glatze identifizieren ließen: „Sie sind kaum noch erkennbar. Jeder fünfte Neonazi ist weiblich. Und dabei sind Frauen nicht weniger radikal“, erklärte Röpke. Noch immer würden Frauen weitaus weniger als Gefahr wahrgenommen. „Sie sind das nette Mädchen von nebenan.“ Frauen seien aber stets der „nationalen Gegenkultur“ gewesen. Etwa bei der 1994 verbotenen Wiking-Jugend, einer 1952 gegründeten neonazistischen Kinder- und Jugendorganisation. „Hier lag der Frauenanteil bei 40 Prozent“, erklärte Röpke. Auch im aktuellen Fall der NSU hätten Frauen dafür gesorgt, dass Beate Zschäpe 13 Jahre habe im Untergrund aktiv sein können.

Auch zur deutschen Aktionsgruppe von Manfred Röder aus Schwarzenborn hätten zwei Frauen gehört. Noch immer arbeiteten die Neonazis mit versteckten Codes, die Szene habe sich aber deutlich professionalisiert: „Das muss gesellschaftlich endlich wahrgenommen werden“, sagte Röpke. Mitglieder der NPD suggerierten das Bild der „netten Nachbarn“, indem sie sich in ehrenamtlicher Elternarbeit engagierten und versuchten, sich als hilfsbereite Vereinsschwestern zu etablieren.

Definition über Feindbilder

„Die Szene ist eine Männerdomäne, aber Frauen erkämpfen sich immer mehr Freiräume“, hat die Journalistin recherchiert. Die Rolle der Frauen sei klar definiert: „Emanzipation ist nicht naturgegeben. Frauen sind für die Erziehung zuständig.“ Die Szene definiere sich ausschließlich über Feinbilder: „Besonders die Homosexualität ist ein Frontalangriff auf ihre Rolle als deutsche Mutter“, erläutert Röpke. Zu wenig wahrgenommen würden die Brauchtumsfeste und Zeltlager: „Da entsteht eine alarmierende nationale Gegenkultur, und sowas muss dokumentiert werden.“

Über die rechte Szene im Kreis diskutierten im Anschluss Jugendpfleger Michael Schott, Politiklehrer Werner Stuhldreher und Helge von Horn von der Initiative „Gewalt geht nicht“. Um die Mitglieder der „Freien Kräfte“ sei es ruhiger geworden: „Aber man muss wachsam bleiben“, sagte Horn. Andrea Röpke bezog klar Stellung: „Ich bin für ein Verbot der NPD.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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