Die Kleine Bühne Schwalm-Eder präsentiert ein emanzipiertes Aschenputtel

Hinreißende Märchenaufführung in zauberhaften Kostümen: Das Ensemble der Kleinen Bühne Schwalm-Eder spielt „Aschenputtel - oder: Braven Mädchen hilft nur ein Wunder“. Foto: Ehl-von Unwerth

Homberg. Sie erleben Liebe und Glück, aber auch Kummer, Entbehrungen und Tod: Seit zwei Jahrhunderten entführen die Grimmschen Märchenhelden den Nachwuchs in eine zauberhafte Parallelwelt.

Einen Beitrag zum Jubiläum der Kinder- und Hausmärchen liefert jetzt die Kleine Bühne Schwalm-Eder mit ihrer Weihnachtsaufführung. Unter der Regie von Iris Damen, assistiert von Susanne Braun und Reinhard Ganß, stehen 20 zumeist jugendliche Akteure in der leicht modernisierten Aschenputtel-Fassung von Ingo Sax auf der Bühne.

Tatsächlich hat der Autor nicht nur die Sprache entstaubt: Auch sein Figurenkabinett lässt er mit einem Hauch Realismus agieren, ohne die Grimmsche Märchenromantik aufzugeben. So feuert der lebenslustige König (Armin Jordt) einige nicht gerade hoffähige Seitenhiebe gegen seine sittenstrenge Gattin (Angelika Kubesch) ab.

Unübliches Märchenschema

Auch Thronfolger Alexander (Adrian Stech) entspricht nicht ganz dem üblichen Märchenschema: Statt Ahnenkunde zu büffeln, bringt er mit Freund Wolfram (Wiebke Aurand) seine Mitmenschen zur Verzweiflung. Als Konsequenz droht die Hochzeit, die die goldene Freiheit in weite Ferne rücken lässt. Das wird dem Königssohn angesichts der wenig attraktiven Heirats-Aspirantinnen beim Hofball bewusst.

Die Brautschau auf dem Tanzparkett als entscheidende Szene im Stück wurde auch bei den Proben für Regie und Darsteller zur größten Herausforderung: „Eine Massenszene auf die Bühne zu bringen, das ist immer schwierig“, beteuert Iris Damen.

Knifflige Aufgaben müssen auch Vanessa Tourbier und Luisa Döls als verwöhnte Stiefschwestern sowie Susanne Braun als böse Stiefmutter bewältigen. Sie werden vom zumeist jungen Publikum sicher nicht mit Zuneigung überschüttet. „Damit können wir gut leben. Wenn wir ausgebuht werden, dann haben wir unsere Rollen nämlich richtig gut verkörpert“, findet Susanne Braun.

Die Sympathien hingegen werden Kirsten Aurand als Aschenputtel zufliegen. Zwar erledigt sie wie in der Grimmschen Urfassung brav ihre Pflichten, lässt sich jedoch weder von ihrer garstigen Stieffamilie, noch von Glanz und Gloria des Königshauses beeindrucken. Vielmehr rückt sie vor ihrer glücklichen Zukunft bei Hofe noch rasch einige verstaubte gesellschaftliche Ansichten zurecht. Sozialkritik im Märchen-Gewand: Nicht nur für Kinder pädagogisch wertvoll.

Von Sigrid Ehl-von Unwerth

Quelle: HNA

Kommentare