Gedenken an die Verfolgten

Mahnmal an früherem Richtplatz am Odenberg: Dort wurden Frauen als Hexen verbrannt

Das Mahnmal für die Frauen aus Besse, die als Hexen verbrannt wurden: Diese Fotomontage zeigt, wie es aussehen könnte. Der Standort ist am Wanderweg (rechts) zwischen den alten Hainbuchen am Odenberg, dahinter der vermutete Richtplatz. Fotomontage: privat

Gudensberg. „Hier ist früher der Richtplatz für die Hinrichtungen gewesen, ganz eindeutig." Ingrid Pee zeigt auf die einzige ebene Fläche am Odenberg, zwischen dem Wanderweg entlang der Hainbuchen und der Fichtenschonung an der Straße von Gudensberg nach Besse gelegen.

An dieser Stelle, die von allen Seiten einsehbar war, sind nach ihren Forschungen vor etwas mehr als 350 Jahren vier Frauen aus Besse wegen Hexerei verbrannt worden, nachdem ihnen zuvor vor dem Gudensberger Blutgericht der Prozess gemacht worden war.

„Diesen Frauen ist damals, in den Jahren 1662/63, durch die Hexenverfolgungen namenloses Unrecht geschehen“, sagt Ingrid Pee, die zum Kasseler Förderverein für Kulturarbeit, kurz auch Kafka genannt, gehört.

Ihrer zu gedenken, dafür setzt sie sich tatkräftig ein und möchte ihnen direkt neben dem früheren Richtplatz (heute passend „Galgenstück“ genannt) ein künstlerisch gestaltetes Mahnmal widmen. Warum dieses Mahnmal? „Geschichte ist veränderbar“, sagt Pee und zitiert damit den deutschen Philosophen und Kulturkritiker Walter Benjamin (1892-1940), der damit gemeint habe, dass man zwar nicht die Vergangenheit verändern könne, wohl aber ihre Bedeutung für die Gegenwart.

„Diesen Frauen ist damals, in den Jahren 1662/63, durch die Hexenverfolgungen namenloses Unrecht geschehen.“

Im Andenken angesichts eines Denkmals setze man sich tatkräftig mit Geschichte auseinander und trage dadurch zu einer Verhinderung von Wiederholung der Geschichte bei, erläutert die Kasselerin.

Das Mahnmal sei die gegenständliche Erinnerung und eine bleibende Hinterlassenschaft des Gedenkens an das furchtbare Leid. Früher Ausgestoßene und Ausgegrenzte könnte man somit wieder quasi in die Gesellschaft aufnehmen. Hinzu komme, dass sich das Thema Hexe/Teufel längst noch nicht erledigt hat. „Täglich finden in Deutschland fünf Teufelsaustreibungen in allen Religionen statt“, sagt Pee. Auch heute würden in Europa Hexen verbrannt, zum Beispiel in den 90er-Jahren in Serbien und Italien. Und die Sündenbock-Suche habe in der Gesellschaft noch immer Tradition: Anders denkende und lebende Menschen würden weiterhin für eigene Probleme verantwortlich gemacht, indem man sie ausschließe und sanktioniere. Das Mahnmal soll also auch die Funktion haben, anzuregen, über die eigenen Verhältnisse nachzudenken.

Das Thema Hexenverfolgung interessierte Ingrid Pee schon lange. Schließlich stieß sie in alten Kirchenbüchern aus Besse, die Wilfried Dippel übersetzt hatte, auf Prozesse und Hinrichtungen 1662, bei denen zwei Frauen „verbrand beym Odenberg wegen bekannter Zauberey und Benefico“.

Im Marburger Staatsarchiv schließlich fand Pee die Akten zum Prozess gegen die „Hirten-Barbara“ aus Besse 1662/63, die vom Grebe (Bürgermeister) der „notorischen Zucht“ (Hexerei) beschuldigt wurde. Sie war zu dem Zeitpunkt 73 Jahre alt und musste monatelang im Gefängnis in Gudensberg Qualen und Folterungen erdulden. Der Prozess dauerte vom 20. März 1662 bis zum 7. April 1663.

Die Hirten-Barbara starb am 9. April im Gefängnis. Trotzdem wurde ihre Leiche, da sie verurteilt worden war, zum Richtplatz am Odenberg geschleift und dort am Galgen begraben.

Für den Standort des Mahnmals am Odenberg spricht laut Pee die Nähe zum früheren Richtplatz und die öffentliche Erreichbarkeit am Wanderweg. Der geschichtsträchtige Odenberg solle ohnehin touristisch besser erschlossen werden.

„Das beschriebene Mahnmal wird dann an ein von historischen Quellen fundiertes Ereignis erinnern“, hofft Pee.

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Quelle: HNA

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