Ludwig Emil Grimm lebte während seiner Militärzeit für zehn Monate in Wolfhagen

Der malende Infanteriesoldat

Selbstbildnis aus Jugendjahren: Wann Grimm diese Bild zeichnete, ist nicht bekannt.

Wolfhagen. Wie mit einem akribischen Pinselstrich hingemalt präsentiert sich das schmucke Fachwerkhaus Nummer 6 an der Wolfhager Großen Teichstraße. Vielleicht war diese Ansicht ein Grund dafür, warum sich der Maler, Radierer und Kupferstecher Ludwig Emil Grimm das Haus während seiner Militärzeit als Wohnstatt ausgesucht hatte, als er von März 1814 bis zum Ende dieses Jahres als Leutnant beim in Wolfhagen stationierten 3. Kurhessischen Infanterie-Landwehrregiment stationiert war.

Emil Ludwig, der Bruder der beiden weltbekannten Märchenbrüder Jacob und Wilhelm Grimm, hatte sich freiwillig zu den Soldaten gemeldet, um an den Befreiungskriegen (1813 bis 1815) zwischen den Truppen des napoleonischen Frankreichs und seinen Verbündeten sowie den Gegnern in Mitteleuropa teilzunehmen. Zu Napoleons Feinden zählte auch die Landgrafschaft Hessen-Kassel, die von Napoleon Bonaparte erobert und in das neu entstandene Königreich Westphalen eingegliedert wurde. Als Herrscher setzte Napoleon seinen jüngsten Bruder Jerome ein, auch als König Lustik bekannt, der sein Königreich von der Hauptstadt Kassel aus regierte.

Nach dem Frankreichfeldzug und seinem Ausscheiden aus der Armee kehrte Ludwig Emil Grimm nach Kassel zurück, setzte dann von 1815 bis 1817 sein Kunststudium in München fort, unterbrochen von einer dreimonatigen Studienreise durch Italien.

Begonnen hatte Ludwig Emil Grimm, geboren am 14. März 1790 in Hanau, seine künstlerische Ausbildung 1805 an der Kunstakademie in Kassel. Die Ausbildung schloss er nach Zwischenstation in Heidelberg mit den Dichtern Clemens Brentano sowie Achim von Arnim dann in München ab. 1817 wurde er wieder in Kassel ansässig und an der Kunstakademie tätig.

Ludwig Emil Grimm war viel in und um seine neue Heimatstadt unterwegs, vor allem auch in dem ihm von seiner Militärzeit her bekannten Wolfhager Land. Das belegen viele Zeichnungen und Werke: unter anderem die Bilder Dörnberg (1820), Weidelsberg (1824) und Elmarshausen (1825). 1832 erhielt er eine Professur an der Kasseler Kunstakademie, heiratete im selben Jahr Marie Böttner, Tochter des kurhessischen Hofmalers Wilhelm Böttner. Sieben Jahre später gründete er zusammen mit Wilhelm von Reutern die Willingshäuser Malerkolonie. Ludwig Emil Grimm war zwei Mal verheiratet, starb am 4. April 1863 in Kassel.

HINTERGRUND

Von Reinhard Michl

Quelle: HNA

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