Werke des Künstlers Bernhard Sydow sind ab sofort im Museum der Schwalm zu sehen

Maler mit feinem Humor

Familienbande: Sydow-Tochter Silvia Köhler, Susanne Köhler, Annette und Stephan Fink, Bernhard Köhler und Saskia Fink (von links) freuten sich über die gelungene Ausstellung. Fotos:  Rose

Ziegenhain. Bernhard Sydow kam ausgerechnet an dem Tag zur Welt, als die Titanic unterging – am 15. April 1912. Sein Vater soll damals gesagt haben: „Ein Unglück kommt selten allein.“ Andererseits sah es der Vater als vielleicht wegweisendes Omen an, dass sein Sohn am selben Tag wie Leonardo da Vinci und Wilhelm Busch Geburtstag hatte. Denn Sydow, der in Köpenick geboren wurde und Anfang der 60er-Jahre in die Schwalm kam, hat Spuren hinterlassen: Er machte sich einen Namen als Maler und Grafiker und war bis zu seiner Pensionierung 1971 Kunstlehrer an der Carl-Bantzer-Schule. Im Museum der Schwalm ist ihm jetzt eine Ausstellung gewidmet.

Laudator Johannes Prinz gab Einblick in das Leben Sydows: „Als einziges Kind seiner Eltern, die eine Konditorei betrieben, war es fast selbstverständlich, dass Kaffee und Kuchen seine Laster wurden – übrigens seine einzigen.“ Nach der Schulzeit studierte Sydow Malerei bei Prof. Ferdinand Spiegel an der Berliner Akademie der Künste. Die Verbundenheit zur Landschaft und Natur habe er wohl den Großeltern – Bauern im Westhavelland – zu verdanken. Dann kam der Krieg und der junge Künstler musste an die Front, wo er schwer verwundet wurde. 1942 heiratete Sydow Käthe Schönemann. Das Paar bekam zwei Jahre später Tochter Silvia. Nach dem Krieg fasste Sydow 1949 den Entschluss, Lehrer zu werden, studierte Pädagogik und Biologie. Ein Jahr vor dem Mauerbau flüchtete er nach Hessen und genoss ausgiebig seine „Reisefreiheit“.

Kunstlehrer an der CBS

Sydow selbst war fleißig, malte täglich und gewann die Herzen der Menschen durch seine humorvolle, optimistische und großzügige Art: „Ich habe ihn 1960 im Realschuljahr kennen gelernt. Er malte sein Konterfei an die Tafel – nicht ohne das unvergleichliche Doppelkinn“, erzählte Prinz. In der Schwalm habe er zu den beliebtesten Lehrern gezählt, wusste Museumsleiter Konrad Nachtwey aus Gesprächen. Nach seiner Pensionierung blieb Sydow fleißig. „Seine Bilder sind lebhaft und vielgestaltig. Und immer wieder kommt darin auch sein Humor zu Tagen“, erläuterte Prinz. Bevorzugt habe er das Malen mit Öl – Architektur, Stillleben, Landschaften. „Man merkte deutlich, dass seine künstlerischen Wurzeln vom Zeichnen kommen.“ Das zeige auch die disziplinierte Erfassung der Form, die dynamische Relation von Fläche und Farbe. Bernhard Sydow starb 1993.

Gestaltet wurde die Ausstellungseröffnung unter anderem vom Instrumentalkreis Ziegenhain. Die Musiker gaben bekannt, dass sich der Kreis auflöse und verabschiedeten sich mit Filmmusik. Sydows Urenkelin Saskia Fink musizierte zusammen mit Stefan Reitz. • Zu sehen sind die Bilder bis Samstag, 30. November, im Museum der Schwalm.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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