Malochen im Akkord: Zeche Marie im Habichtswald vor 50 Jahren geschlossen

Kurz nach der Schließung der Zeche Marie: Bis 1966 prägte die Braunkohle die Region und brachte viele Menschen im Kreis Kassel durch kalte Winter.

Ein Blick in die Vergangenheit: Am Freitag, 29. Juli 1966, endete eine Ära. Die Braunkohle-Zeche Marie im Habichtswald wurde geschlossen.

Karl Pfannkuche aus der Gemeinde Habichtswald ist einer der wenigen verbliebenen Zeitzeugen, die in der Zeche gearbeitet haben. Karl Pfannkuche, hochgewachsen, mit ruhiger Stimme und freundlichem Lächeln fing 1956 im Alter von 20 Jahren in der Zeche Marie an.

Der Abschied vom Berg: Am Freitag, 29. Juli 1966, hatten diese Bergleute die letzte Förderschicht in der Zeche Marie Fotos: privat/nh

Da er als Zimmermann nicht genügend verdiente, wechselte er in den lukrativen Braunkohleabbau: „Wir haben gut verdient, da oben.“ Ein Knochenjob: Die Bergleute arbeiteten im Schichtsystem, acht Stunden lang. In einem neuen Schacht, etwa zweieinhalb Meter breit, arbeiteten sich die Zweier-Teams Stück für Stück voran: Sie lösten mit Spitzhacke und Presslufthammer die Braunkohle, hieften sie in die Lore und transportierten den Waggon in Richtung Ausgang, bis er an einer Kette aus dem Schacht befördert wurde. Der Transport war Pfannkuches Aufgabe: Er war Schlepper.

Karbidlampen sorgten in den Tunneln für ausreichend Licht. Sie zeigten aber auch „schlecht Wetter“ an, wie Pfannkuche erklärt: Leuchtete die Flamme nicht gelblich-rot, sondern blau, wurde die Luft dünn, und die Kumpel mussten den Schacht verlassen und warten, bis durch die Lüftungsschächte wieder ausreichend Frischluft in den Schacht gelangte.

Nach jedem Meter, den sich die Kumpel mühsam vorarbeiteten, stellten sie tragende Hölzer auf und legten Schienen. Malochen im Akkord: Die Arbeiter wurden nicht nach Stundenzahl, sondern nach gefüllten Loren bezahlt. War eine Lore nicht voll, gab es Abzüge: „Eine richtig gute Leistung waren vierzig Loren pro Schicht“, erinnert sich Pfannkuche. Das hätten sie aber selten geschafft. War die Kohle in einem Schacht erschöpft, zogen sich die Bergleute zurück. „Das war natürlich auch gefährlich. Wir haben die Streben weggekloppt und geguckt, ob Erde kommt. Wenn die Erde kam, mussten wir laufen.“ Manche seien leichtsinnig gewesen, dabei sei der ein oder andere Unfall passiert. „Es musste sich einer auf den anderen verlassen können.“

Karl Pfannkuche arbeitete ab 1963 wieder als Zimmermann und ab 1965 im Baunataler VW-Werk. Im Juli 1966 wurde die Zeche Marie geschlossen. Sie war unlukrativ geworden. Laut Pfannkuches Angaben waren dort die Braunkohlevorkommen erschöpft.

Quelle: HNA

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