Malsfelder Kirche feiert 150-jähriges Bestehen

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Im Mai feiert die Kirchengemeinde Beiseförth-Malsfeld den runden Geburtstag ihrer Kirche: Margret Feger vom Kirchenvorstand, Pfarrer Henning Reinhardt und sein Vorgänger Karl Georg Simon (von links) haben keinen Zweifel, dass das Jubiläum ein Erfolg wird.

Malsfeld. Erst 1976 kamen in Malsfeld die Männer und Frauen zusammen - zumindest in der Kirche. Bis dahin saßen die Männer oben auf der Empore, die Frauen unten brav in den Bänken.

Diese Sitzordnung galt über Jahrzehnte hinweg, die Gemeinde hat sie nie in Frage gestellt. Erst als die Kirche vor knapp 40 Jahren saniert wurde, geriet die über Jahrhunderte strikt eingehaltene Geschlechtertrennung ins Wanken und wurde schließlich ganz aufgehoben.

Pfarrer Henning Reinhardt erzählt diese Geschichte gerne. Sie gehört zum Anekdotenschatz des Gotteshauses, das in diesem Frühling seinen 150. Geburtstag feiert.

Für die Kirchengemeinde Beiseförth-Malsfeld stellt das Fest den Höhepunkt des ganzen Jahres dar. Das Programm steht bereits, der Kirchenvorstand hat die Planung im Griff und so ganz allmählich, sagt Reinhardt, kommt nun Vorfreude aufs große Fest auf. Das soll das Gotteshaus würdigen, das vor 150 Jahren auf jenem Grund errichtet wurde, auf dem bereits die alte, aber sehr marode Kirche stand. Die war laut Urkunde 1253 erbaut, aber im 30-jährigen Krieg so stark beschädigt worden, dass ihr schlechter Zustand immer wieder zu Klagen geführt habe, berichtet Karl Georg Simon. Der Pfarrer im Ruhestand war 27 Jahre lang Seelsorger in Malsfeld und kennt das Gotteshaus wie kein Zweiter.

Das sei im Laufe der Zeit aber nicht nur immer weiter verfallen, sondern auch viel zu klein geworden, berichtet Simon. Malsfeld sei damals eine prosperierende Gemeinde gewesen, die Eisenbahn habe viele Arbeitsplätze geboten und neue Einwohner angezogen.

Die Klage der evangelischen Kirchengemeinde über ihr marodes kleines Kirchlein hatte schließlich Erfolg: Am Ostersonntag 1864 wurde der letzte Gottesdienst in der alten Kirche gehalten. Und bereits am 18. Dezember 1864, wurde der erste Gottesdienst im neuen Gebäude gehalten. Die Malsfelder Kirche entstand also in nur acht Monaten, einer absoluter Rekordzeit.

Einen Rekord stellt aber auch die Zahl der Spenden dar, die damals flossen. 15.000 Mark kostete der Neubau des Gotteshauses - was damals eine gigantisch hohe Summe darstellte. Die Malsfelder brachten beinahe die Hälfte als Spende auf. Wenn man bedenkt, dass ein Spitzenhandwerker 100 Mark im Monat verdiente, kann man ungefähr den Stellenwert einschätzen, den die Kirche damals für die Dorfbewohner hatte. "Selbst die Tagelöhner spendeten damals einen Heller für den Neubau", sagt Henning Reinhardt.

Die Einweihung an Weihnachten 1864 war ein großer Festtag für alle Malsfelder. Damals, so heißt es, herrschte ein so ungewöhnlich warmes Wetter, dass die Kirchentüren während des Festgottesdienstes offen stehen blieben. Genau das soll zum runden Geburtstag auch passieren: Es soll ein Fest für alle werden. Ein Fest, bei dem die Türen für alle sperrangelweit offen stehen.

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Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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