Prof. Dr. Hans Helge Bartsch sprach über den profitorientierten Gesundheitsmarkt

Mammon in der Medizin

Hießen ihren Gast in Neukirchen willkommen: Prof. Dr. Hans Helge Bartsch (dritter von links) mit Regina Kress, Hilde Schulte, dem Vorsitzenden Dr. Reinhard Trolp, Carmen Ritter, Carmen Weidemeyer und Ingrid Kusber (von links) vom Verein Auxilium. Foto: Rose

Neukirchen. Der gebürtige Neukirchener Prof. Dr. Hans Helge Bartsch war am Montagabend zu Gast in der Knüllstadt: Der Ärztliche Direktor der Klinik für Tumorbiologie Freiburg kam auf Einladung des Vereins Auxilium und referierte zum Thema „Arzt: Mediziner oder Dienstleister im Spannungsfeld zwischen Ethik und Monetik.“ Mehr als 60 Zuhörer hörten gespannt zu.

Dabei gewährte der Mediziner einen schonungslosen Einblick hinter die Kulissen der Kliniken. Und machte deutlich auf Missstände des Gesundheitssystems aufmerksam. Bartsch warnte: „Durch die Ökonomisierung der Medizin werden Ärzte mehr und mehr zu Dienstleistern.“ Die Autonomie der Ärzte, Standards in Diagnostik und Behandlung selbst festzulegen, gehe verloren. „Die Rahmenbedingungen werden nicht von den Ärzten, sonderm von der Politik definiert“, sagte Bartsch.

Die Strukturveränderungen seien mitverantwortlich für den jüngsten Organspendeskandal. Die Vergütung hänge in vielen Kliniken von der Anzahl der Transplantationen ab. Mahnende Worte fand der Mediziner auch für die 2004 eingeführte Fallpauschale, das sind diagnoseverbundene Entgelte.

„Durch die Ökonomisierung der Medizin werden Ärzte mehr und mehr zu Dienstleistern.“

Prof. Dr. H.H. Bartsch

Diese Pauschalen führten zu einer auf die Hauptdiagnose fokussierte Diagnostik. „Im Klartext heißt das, dass auf Mehrfacherkrankungen nicht eingegangen wird.“ Handelt ein Arzt anders, drohten Konsequenzen. „Dann wird ein Teil der Leistung von den Krankenkassen nicht bezahlt.“ Die finanziellen Anreize führten häufig dazu, dass Ärzte die Perspektive der Patienten den ökonomischen Interessen unterordneten. „Es wird diktiert, was sich lohnt“, sagte Bartsch. „Wir als Ärzte verabschieden uns damit von den Werten, die das Berufsbild prägen.“

Mensch wird ausgeblendet

Der profitorientierte Gesundheitsmarkt sorge dafür, dass Kliniken keine „Fürsorgeanstalten“ mehr seien, sondern vielmehr Dienstleistungsunternehmen. Durch das ökonomosierte Versorgungssystem drohe eine existenzielle Krise: „Wer seine Patienten zu Kunden umfunktioniert, der blendet den Menschen völlig aus“, erklärte Bartsch. Gerade den jungen Kollegen werde ein überaus fragwürdiges ökonomisiertes Ärztebild vermittelt. „Dabei ist die Qualität der Arzt-Patienten-Kommunikation doch von einem wesentlichen Merkmal geprägt – von Zeit“, sagte der Referent: „Die Empathie, die authentische Sorge für sein Gegenüber, findet in diesem monetär ausgerichteten System keine Abbildung.“

Ärzte müssten für das bürokratische Kontrollsystem mehr Zeit aufwenden als für ihre eigentliche Aufgabe. Dieses Dilemma führe zu einer Berufsverdrossenheit und zum Mangel an Personal. Nur noch 50 Prozent der Studienabgänger im Fach Medizin gingen tatsächlich in Kliniken.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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