Schwälmer Mandatsträger informierten sich über Kommunen-Einstieg bei EAM

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Hinten leere Stuhlreihen, vorne qualmende Köpfe: Mandatsträger lauschten Münchner Unternehmensberatern.

Willingshausen. Die meisten zogen wohl das parallel laufende WM-Spiel Uruguay-Italien vor und erlebten am Bildschirm eine Partie mit mehr Biss: Gut zwei Drittel der in der Antreffhalle in Merzhausen gestellten Stühle blieb am Dienstagabend leer.

Den Referaten über die Rekommunalisierung der Eon Mitte AG beziehungsweise der Erwerb von Anteilen der EAM GmbH & Co. KG zog somit nicht gerade eine großes Publikum.

Dabei sollte den Gemeindevorständen und -vertretungen von fünf Schwälmer Kommunen, die nur in wenigen Fällen höhere Betriebswirtschaftslehre studiert haben, das Rüstzeug für anstehende Entscheidungen gegeben werden: Entscheidungen, die schon für hitzige Diskussionen unter den Parlamentariern gesorgt hatten, vor allem was die Höhe der Beraterhonorare für das Münchner Büro Becker Büttner Held angeht.

Da könnte nämlich bei 2 Mio. Euro das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein, auch wenn sich Wolfram v. Blumenthal, Jurist und Angehöriger dieses Büros, mühte, das in ein anderes Licht zu stellen. Im Voraus sei die Summe aber nicht fixierbar. Immerhin nannte er Stundensätze, die würden sich auf 100 bis 280 Euro belaufen, nicht auf die in Umlauf gebrachten 500 Euro. Und ja: Auf die anteilige Übernahme der Honorare müssen sich kaufbereite Kommunen verbindlich einlassen.

HNA-Kommentar

Beraterhonorare für die EAM-Übernahme: Der Unmut ist müßig

Das, so Blumenthal, hat rund die Hälfte der über 130 eingeladenen Städte und Gemeinden auch schon getan. Für die andere Hälfte tickt die Uhr, denn es gibt Fristen - heute Zeitfenster genannt - die strikt einzuhalten sind, da sie mit einer Fülle von Verträgen und Klauseln einhergehen.

Blumenthals über einstündiger Vortrag über Vorschalt-AGs, Transaktionen, Konsortien und Avalkredite hinterließ eine Menge Fragezeichen. Heinrich Vesper, Bürgermeister Willingshausens mit einem errechneten Berateranteil von 12.000 Euro, bemängelte "zu viel Verschachtelung und Unverständlichkeit". "Muss das so kompliziert sein?", brachte es CDU-Stadtverordneter Dr. Bernd Adam (Schwalmstadt) auf den Punkt.

Auch ihm wäre es schlichter lieber, beteuerte Blumenthal, doch lägen die Strukturen seitens der Verkäufer fest. Am Ende stand seine Zusage: "Es wird sich langfristig rechnen, das Risiko ist sehr begrenzt."

Hintergrund Eon Mitte

Das Netzunternehmen der Eon Mitte wurde im Dezember 2013 von zwölf Landkreisen und der Stadt Göttingen übernommen. Sie bieten interessierten Kommunen 49,9 Prozent der Anteile für 460 Mio. Euro an, die Mehrheit von 50,1 Prozent wollen die Kreise behalten.

Die Ermittlung des Anteilspreises für die einzelnen Städte und Gemeinden bemisst sich individuell nach ihrer Größe in Zählpunkten. 10 Prozent der Kaufsumme müssen sie selbst aufbringen, in der Regel also finanzieren, 90 Prozent sollen sich in Konsortialkreditverträgen durch künftigen Gewinnverzicht tragen.

Zum Portfolio der revitalisierten EAM gehören 46.000 Kilometer Stromnetz und 4800 Kilometer Gasnetz, sie wurden aus der Eon herausgelöst. Standen die drei Buchstaben EAM einst für Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland, so bedeuten sie nun Energie aus der Mitte.

Die Entscheidung der Kommunen über ihren Anteilskauf muss bis zum 7. November fallen, Übernahme ist am 19. Dezember.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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