Ein Mann mit 7500 Chefs: Thomas Petrich ist seit 100 Tagen Bürgermeister

Thomas Petrich

Edermünde. Die Schonzeit ist vorüber, der Terminkalender schlagartig voll: Thomas Petrich, seit 1. Juli und damit 100 Tagen Bürgermeister in Edermünde, hat seinen Platz in der Gemeindeverwaltung eingenommen, ist im neuen Job angekommen.

Die aktuellen Themen, die für seine Arbeit als Chef der Verwaltung und oberster Dienstleister in der Gemeinde ganz oben auf der Liste stehen, liegen zurzeit auch quasi auf der Straße:

• der ungelöste Lärmschutz entlang der A 49,

• die Pläne für die umstrittene Stromtrasse Südlink,

• die Pipeline für die Kali-Abwässer entlang der Midal-Erdgasleitung.

„Das sind schon ein paar große Aufgaben für uns in Edermünde“, sagt Petrich. Vor allem in Sachen Lärmschutz soll mehr Druck gemacht werden. Für den 17. November ist eine Bürgerversammlung geplant zusammen mit der IG Lärmschutz, bei der man über den aktuellen Stand der Dinge informieren will, zum Beispiel das geforderte Tempolimit auf 100km/h im Bereich von Holzhausen/Hahn.

Vieles sei leider Angelegenheit des Landes, bedauert Petrich, doch man müsse sich besser Gehör verschaffen. Und: „Ich wünsche mir mehr Mut zu klaren Entscheidungen bei den Behörden“, sagte er. Man müsse auf die Bedürfnisse der Menschen reagieren und handeln, auch mal rechtliche Risiken bewusst eingehen.

Während zurzeit die Planungen für die Erweiterung der Kindertagesstätte an der Ernst-Reuter-Schule aktuell bearbeitet werden müssen, steht im nächsten Jahr das Projekt Bürgerbefragung an. „Wir wollen allen Bevölkerungsschichten dabei berücksichtigen“, betont der Bürgermeister. Ziel sei eine offene Bestandserhebung: Was gefällt den Edermündern in ihrer Gemeinde, was fehlt, was könnte besser sein, wohin soll es gehen?

Die Auswertung dieser Befragung, die spätestens im 2. Quartal 2015 stattfinden soll, möchte Petrich als Grundlage für weitere Entscheidungen nutzen.

„Deshalb ist es mir wichtig, dass sich möglichst viele Edermünder an der Befragung beteiligen“, betont er. Auch Kinder und Jugendliche sollen miteinbezogen werden. In Arbeitsgruppen solle die Befragung ausgewertet und daraus ein Zukunftskonzept entwickelt werden. Das werde frühestens 2016 der Fall sein. Vorbild für die Aktion ist eine ähnliche Befragung, die in Edermündes Partnergemeinde Terenten in Südtirol sehr erfolgreich abgeschlossen wurde.

Und sonst? Petrich betont, dass ihm Bürgernähe in der Verwaltung wichtig sei, die Auslagerung von Angeboten etwa durch Zusammenlegung mit anderen Kommunen komme deshalb nicht in Frage. „Bist du jetzt Chef der Gemeinde? hat mich meine Tochter gefragt“, sagte er. Er habe geantwortet: „Nein, ich habe jetzt ungefähr 7500 Chefs!“

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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