Der Mann des Ausgleichs

Dienstältester Bürgermeister, Klemens Olbrich, steht zur Wiederwahl

Zu Hause: In Neukirchen sind Martina und Klemens längst heimisch geworden. Unsere Aufnahme entstand im Wohnzimmers ihres Eigenheims in der Brüder-Grimm-Straße.

Neukirchen. Seit fast einem viertel Jahrhundert ist Klemens Olbrich Bürgermeister in Neukirchen. Und wenn auch die Wahl am Sonntag in zwei Wochen nicht ganz so nervenaufreibend werden wird wie die erste 1990, so bereitet sich der 57-Jährige doch gewissenhaft, wie man ihn kennt, vor.

Wie voriges Mal 2008 kandidiert er allein, ohne Mitbewerber, und, wie seit der ersten Direktwahl 1996, als unabhängiger Kandidat. Keine Plakate, aber einige Kulis wurden geordert. „Klemens Olbrich - Ja“ ist darauf zu lesen. „Es ist eine echte Wahl“, schreibt er in der Einladung zu den Ortsbegehungen, zu denen er zur Zeit in allen Stadtteilen einlädt. Die Mehrheit der abgegeben Stimmen muss er erreichen. Eine Wahlbeteiligung von mehr als 50 Prozent will er erreichen. Und dass nicht alles Ja-Stimmen sein werden, ist ihm völlig bewusst.

Aus dem Nordkreis stammen beide Olbrichs, er aus Edermünde, sie aus Fritzlar. Aber in Neukirchen, wo sie 1991 ihr Haus gebaut hatten und wo ihre drei Kinder aufgewachsen sind – Markus (22), Viktoria (19) und Paulina (14) – sind sie zu Hause. „Ich bin Hausfrau“, antwortet die 48-jährige Bankkauffrau Martina Olbrich, „in Neukirchen lebe ich jetzt schon genauso lang wie in Fritzlar, wo ich herkomme“. An das Leben als Bürgermeisterehefrau hat sie sich seit Langem gewöhnt, daran, dass ihr Mann jeden Abend und jedes Wochenende Termine hat.

So richtig Pause inklusive der Wochenenden ist nur in drei Wochen während der Sommerferien. Da fahren die Olbrichs in Urlaub, wobei Fernreisen weniger ihr Fall sind. Aber Städtereisen schätzen sie, wobei die herrliche, heimische Natur eigentlich gar nicht zu überbieten sei.

Gemeinsames Wandern, Nordic Walking, Schwimmen und Radfahren – das geht auch in stressigen Wochen zwischendurch. Auf das mehrfach gemeinsam abgelegte Sportabzeichen ist die Familie stolz. Olbrich achtet auf seine tägliche Bewegung, wenigstens eine Tour ins Rathaus versucht der Stadtchef täglich zu laufen. Das biete auch Gelegenheit, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, wenn die das wollen.

Über das bürgerliche Lager, das im Parlament längst keine Mehrheit mehr hat, mag der Christdemokrat nicht lamentieren, „ich sehe meine Aufgabe mehr als Moderator“, der Ausgleich sei sein Ziel. Aber die Jahre haben Olbrich gelehrt, dass er den hin und wieder nicht schafft, Interessen zu stark auseinandergehen. „Dann wird man zum Prellbock“, aber so gehe es ja letztlich allen Amtskollegen. ARTIKEL UNTEN

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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