Schamane Angaangaq gab Seminar im Zentrum Helfensteine auf dem Hohen Dörnberg

Der Mann, der aussieht wie sein Onkel

Zierenberg. Mitten auf dem Feld steht ein einsamer Mann. Weiß-graue Haare, indianisches Gewand. Mal wispert er leise vor sich hin, mal schickt er laute Tonfolgen gen Himmel, die für mitteleuropäische Ohren ungewöhnlich klingen. Und doch irgendwie vertraut, allemal angenehm.

Es ist sehr früh am Sonntagmorgen. Die Sonne ist gerade aufgegangen, die Helfensteine verstecken sich noch im sanften Morgennebel. Der Mann ist Schamane. Nicht irgendein Schamane, sondern der weltweit bekannte und geachtete Angaangaq Angakkorsuaq, was übersetzt soviel heißt wie „der Mann, der aussieht wie sein Onkel“. Angaangaq ist ein Ältester der Eskimo-Kalaallit, Heiler, Geschichtenerzähler und Träger der Qilaut. Das ist eine schamanische Windtrommel. Angeblich kann sie Wunder bewirken. Wunder, die man am eigenen Leib spüren kann? Ich bin skeptisch. Zu viel habe ich bereits über angebliche Wunderheiler gehört.

Dem feinfühligen „Uncle“, wie ihn seine Anhänger liebevoll nennen, bleibt das nicht verborgen. Er nimmt seine zwei Windtrommeln, hält sie links und rechts neben meine Ohren. So stehen wir da. Er fixiert mich mit seinen Blicken und beginnt schamanische Laute zu singen. Die Trommeln wirbeln die Töne um meine Ohren, die schnell tiefer gehen, viel tiefer. Meine Lippen fangen an zu zucken. Wie sehr ich mich auch dagegen wehre, ich kann sie nicht kontrollieren. Das muss sie also sein, die Energie, über die ich mich zuvor noch ein klein wenig lustig gemacht habe. Die Energie, die ich nicht stören soll, wegen der ich nur so früh am Morgen im Zentrum Helfensteine von dem grönländischen Medizinmann zum Gespräch empfangen werde, noch bevor er mit seiner Arbeit beginnt.

Angaangaq gibt hier ein dreitägiges Intensivseminar. Er wolle mit den 30 Teilnehmern aus Deutschland, Österreich, Holland und der Schweiz das Eis in ihren Herzen zum Schmelzen bringen, erzählt er beim Frühstück. Doch wozu das alles? „Um ihre Herzen für das Schöne in uns und um uns herum zu öffnen und längst vergessene innere Kräfte wiederzuentdecken“, sagt er und gerät ins Schwärmen.

Strahlendes Lächeln

„Wir beginnen, uns an eine wahrhaftigere Verbindung zu allem, was ist, zu erinnern.“ Sein Gesicht ist erfüllt von einem strahlenden Lächeln, und eben dieses Lächeln sei auch die wichtigste Zutat seines Rezeptes für die Fähigkeit, das Leben wieder lieben zu lernen.

Er wirkt dabei so glaubwürdig, anders als viele der anderen selbsternannten spirituellen Meister. Es ist wohl auch genau diese Glaubwürdigkeit, die ihn weltweit zum begehrten Redner auf Kongressen macht.

Beim Kirchentag

Sogar beim evangelischen Kirchentag ist er Stammgast und zaubert dort den Menschen ein Lächeln ins Gesicht. So, wie am Wochenende im Zentrum Helfensteine. Er wolle zurückkehren, verspricht er, an diesen „wunderschönen Ort“.

Quelle: HNA

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