22-Jähriger zu Freiheitsstrafe verurteilt: Unterbringung in einer Entziehungsanstalt

Mann griff mit Reizgas an

Schwalmstadt. Weil er zwei Jugendliche mit Reizgas angegriffen hatte um ihnen Geld und Drogen zu stehlen, musste sich ein 22-Jähriger aus dem Altkreis Ziegenhain vor dem Marburger Landgericht verantworten. Wegen des Versuchs des besonders schweren Raubes verurteilte das Gericht den einschlägig vorbestraften 22-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten.

Laut Zeugenaussagen der beiden Opfer im Alter von 21 und 16 Jahren, ereignete sich die Tat Anfang Juni vergangenen Jahres in Schwalmstadt, als der ältere der beiden Zeugen, den 16-Jährigen in den Abendstunden nach Hause begleitete. Im Hinblick auf die Alkohol- und Drogensucht des Angeklagten hörte das Gericht eine Sachverständige an und ordnete die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Zudem muss der 22-Jährige dem 21-jährigen Adhäsionskläger einen Schadensersatz in Höhe von 2000 Euro zahlen.

Während einer Vernehmung hatte der 22-Jährige geäußert, dass er zur Tatzeit Alkohol und Cannabis konsumiert habe und sich nicht erinnern könne. Freimütig berichtete der Angeklagte über seine Lebensumstände und seine Drogensucht. Sein Mandant sei seit einem Jahr „abstinent“, betonte der Verteidiger.

Anwalt kritisierte Polizei

In einer fünfstündigen Verhandlung unterzogen sich die beiden Hauptzeugen einer ausführlichen Befragung durch das Gericht und den Anwalt des Angeklagten. Dieser übte Kritik an der Vorgehensweise der Polizei: Sie hätten den Zeugen Fotos zur Identifizierung vorgelegt. Ein namentlich bekannter „Alternativtäter“, auf den die Personenbeschreibung der Zeugen gepasst habe, sei dabei außer Acht gelassen worden.

Der 21-Jährige berichtete, der ihm unbekannte Angeklagte habe ihn zunächst bei seinem Nachnamen gerufen und ihn auf Drogen angesprochen, bevor er ihn aufgefordert habe, ihm Geld zu geben, und ihm das Spray in die Augen gesprüht habe.

Er habe nur noch mit dem linken Auge etwas sehen können und wahrgenommen, wie der Angeklagte auch seinen Freund angegangen sei. Der Zeuge berichtete weiter, er habe kaum Luft bekommen, Todesangst gehabt und Anwohner um Hilfe gebeten. Von Ziegenhain aus habe man ihn in die Klinik nach Marburg verlegt, wo er zwei Tage lang behandelt worden sei. Acht Stunden lang sei er ohne Augenlicht gewesen. Noch heute leide er unter Schlafstörungen.

Auf den Angeklagten als Täter sei er nach seiner Personenbeschreibung durch eine Bekannte gekommen. Auch habe er ihn anhand seines Facebook-Profils erkannt und dies der Polizei mitgeteilt.

Verdutzt reagierte das Gericht auf die Aussage der Zeugen, der Angeklagte habe dem 21-Jährigen einige Tage nach der Tat in Schwalmstadt gedroht, ihn „kalt zu machen“, wenn er noch einmal die Polizei auf ihn hetze. Ein als Zeuge geladener Kriminalbeamter bestätigte die Aussage.

Von Kerstin Heist

Quelle: HNA

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