Zu Gast im Schwalm-Eder-Kreis war der Whiskyexperte Jim McEwan aus Schottland

Der Mann von der Insel

Ein Autogramm auf der Whiskyflasche: Jim McEwans (Mitte) von der Brennerei Bruichladdich im Laden von Ruth Degelow-Stürz und Stefan Degelow in Zimmersrode. Foto: Dellit

Zimmersrode. Wenn jemand zu Jim McEwan sagt, dass er den besten Job der Welt hat, antwortet er: „You don’t have to tell me“ („Das müssen Sie mir nicht sagen“). McEwan kommt von der kleinen schottischen Insel Islay (sprich: Ei-lah) und ist dort Produktionschef der Whiskybrennerei Bruichladdich.

Jetzt war er zu Besuch in der Region und organisierte in Zusammenarbeit mit Ruth Degelow-Stürz und Stefan Degelow eine Verkostung seines Whiskys in Bischhausen. Das Ehepaar betreibt einen Whiskyladen im eigenen Haus in Zimmersrode.

Ein einmaliger Laden

Der hatte es McEwan besonders angetan. Er habe wirklich schon viele Geschäfte weltweit gesehen, aber dieser Laden sei einmalig. Das liege besonders an der Begeisterung der Degelows für den Whisky.

Diese Begeisterung verbindet. Bei dem 62-jährigen Schotten springt der Funke schnell über, wenn er ins Erzählen kommt. Dann räumt er schon mal den halben Tisch leer, um die Lage der Whiskyindustrie im Allgemeinen und seiner Brennerei im Speziellen darzustellen. Die Spirituose, die er mit seinen Mitarbeitern herstellt, vergleicht er mit Kindern. Das Alter eines Whiskys ist von großer Bedeutung für den Geschmack. So laufe ein dreijähriges Kind noch an der Hand, während ein Zehnjähriger dem Vater auf die Schulter klopfe und „Hey, Dad“ sage. Wie beim Whisky eben.

Von Marketingstrategien, die sich Menschen an Schreibtischen ausdenken, hält Jim McEwan, der mit 15 Jahren zum letzten Mal eine Schule besucht hat, nichts. Ideen muss man haben, das zählt. Und Leidenschaft natürlich.

Ihn hat diese Leidenschaft immer begleitet, er war Küfer, aber auch Reisender in Sachen Whisky, der Menschen weltweit seine Produkte präsentiert, damals noch für die Brennerei Bowmore – ebenfalls auf Islay.

Nun also Nordhessen, eine Verkostung mit nicht einmal 30 Menschen. Das sei viel besser als ein Vortrag vor mehreren hundert Zuhörern in Tokio, beteuert McEwan. Und dann erzählt er. Davon, dass 95 Prozent aller Menschen, die guten Whisky trinken, nett seien. Davon dass Whisky das Blut Schottland sei und die Steuern darauf viel zu hoch. Und von seinem Traum: Unabhängigkeit für seine Insel Islay, auf der dann Steuerfreiheit herrscht und alle Spirituosen ins Meer gekippt werden – außer Whisky natürlich.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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