Dr. Gerald Näser

Schwalmstadts neuer Bürgermeister - Mann der klaren Linie

Angekommen: Schwalmstadts neuer Bürgermeister Gerald Näser am Schreibtisch seines Amtszimmers im Rathaus Treysa. Foto: Quehl

Schwalmstadt. Nicht mehr der Chef von zwei, sondern von knapp 260 Menschen ist Dr. Gerald Näser seit vorigen Herbst. Geändert habe sich vieles, aber doch nicht alles.

Wie immer schmiert der dreifache Vater früh morgens daheim die Schulbrote, auch das Mittagessen im Familienkreis haut des Öfteren hin. Ansonsten freilich ist Näsers Terminkalender viel seltener frei. „Ja, die Arbeitsbelastung ist eine andere geworden“, sagt das neue Stadtoberhaupt vielsagend und nippt an einer Tasse heißen Wassers aus der roten Isolierkanne, in der dem Vorgänger reichlich schwarzer Kaffee serviert wurde. An Mobiliar und Inventar hat sich wenig geändert seit dem Wechsel zum 1. Oktober.

„Die meisten Rückmeldungen sind positiv“, findet der 48-Jährige, der doch bereits manche Begegnung mit wutentbrannten Schwalmstädtern hinter sich hat, aber natürlich an dem Prinzip der Bürgernähe festhalten will. „Ich kenne ja viele, aber doch nicht alle 18 000 Schwalmstädter.“

In der Regel habe sich in Beschwerdefällen übrigens rasch herausgestellt, dass das vorgebrachte Problem seit Jahren besteht und schon eine Akte füllt, alle Argumente mit den zuständigen Abteilungen schon ausgetauscht sind. Mit den Abteilungen – und ihren Menschen – kommt der Neue gut klar, fühlt sich wohl aufgenommen. Näser: „Da ist eine gute Stimmung, die ich von Haus aus mitbringe. Mir ist wichtig, dass die Leute mit Freude zur Arbeit kommen, nicht mit Bauchschmerzen.“

„Da ist eine gute Stimmung, die ich von Haus aus mitbringe.“

Bürgermeister Näser

Dabei kommt Näser kein schlechtes Wort über Amtsvorgänger Kröll (SPD) über die Lippen. Dessen Elan sei ein Vorbild, das bestehende System gut und brauchbar. Trotzdem solle ersteinmal alles hinterfragt werden, „ergebnisoffen“. Ansonsten ist der Christdemokrat („ich habe gewisse Grundüberzeugungen“) noch dabei, seinen Alltag als Verwaltungschef einzurichten und die Spreu vom Weizen zu trennen, was die Überfülle von Arbeitsgemeinschaften und Gremientreffen außerhalb des rein städtischen Umfelds angeht. Da gelte es eine klare Linie für sich zu finden, „ich bin noch in der Sondierungsphase“.

Nicht ganz emotionslos hinter sich gelassen hat der Geologe sein altes Berufsleben, „13 Jahre lang hatte ich Tag und Nacht für meine Firma gearbeitet, von der ich bestens leben konnte.“ Die ist jetzt verkauft, firmiert weiter unter neuen Eigentümern unter einem leicht abgewandelten Namen in der Kirchhainer Straße in Treysa. Den alten Job, den vermisst er schon, „er hat mir Spaß gemacht“. Und, auf die Fertigstellung welcher noch nicht ganz gereifter Projekte freut er sich in seiner ersten, sechsjährigen Amtzeit? Näser: „Das Wieragrundzentrum, den Autobahntunnel möglichst mitsamt Straße, und, wenn ich mal träumen darf, ich sähe es gern, wenn die JVA mit ihrem Regelvollzug in der Rudolphsaue angesiedelt wäre.“

Spaß am Tun

Den Spaß am Tun will Näser sich erhalten, an eine Batterie von Zielen und Methoden will er sich hingegen nicht ketten. Versprechungen vom blauen Himmel herab gibt er nicht, der Gestaltungsrahmen innerhalb der Stadt sei nun mal nicht üppig, sagt er, und nippt am heißen Wasser.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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