Dezember 1956: Der „Halbbruder Hitlers“ auf dem Homberger Polizeirevier

Mann mit kuriosen Visionen

Verwirrende Postkarte vom 4. Dezember 1956: Sie soll Hinweise auf einen Mord geben. Foto: privat/Schattner

Homberg. Ende des Jahres 1956 erschien auf der Homberger Polizeistelle ein merkwürdiger Mann. Dieser wohnte seiner Zeit alleine im Homberger Ortsteil Dickershausen im Haus Nummer 7, war somit einer von etwa 380 Einwohnern. Sein Name: Franz Saeculi. Saeculi wurde am 15. Mai 1902 in Freiwaldau, an der schlesisch-tschechischen Grenze geboren.

Auf dem Homberger Polizeirevier gab er zu Protokoll, dass er in der Nacht vom 15. auf den 16. November eine Vision gehabt habe. Diese habe ihm gesagt, dass seine Eltern Josef und Anna Saeculi nur seine Pflegeeltern seien. Sein richtiger Vater wäre „der untadelige Österreichische-Ungarische Zollbeamte Adolf Hitler, also der Vater des großen deutschen Führers“.

Unbefleckte Empfängnis

Weiter sagte er aus, dass seine Mutter „die reine und edle Jungfrau Baronesse Margitte von Waldegg, welche bei einer Handlung, vorgenommen von Herr Hitler in ihrer Villa im Stadtwald zu Freiwaldau, durch Handkuss unbefleckt empfangen hat“.

Was wird wohl den diensthabenden Polizisten bei dieser Aussage durch den Kopf gegangen sein? Aber Saeculi konnte noch eins drauf setzen. Er sei gekommen, um sich „die ihm versprochenen 1000 DM für die Aufklärung eines Sittlichkeitsverbrechens und für einen von ihm gefangenen Raubmörder abzuholen.

Mit diesem Geld wolle er dann nach Bonn fahren, „um den Bundeskanzler abzulösen“. Wer möchte jetzt noch in der Haut der Homberger Polizisten gesteckt haben? Zum Beweis für seine Aussagen hatte er eine Kopie einer Postkarte dabei, die vom 4. Dezember 1956 datiert war.

Ihr Inhalt: „Durch eigenartige Umstände habe ich einerseits den Bruder des erschlagenen Trippelbruders hier in Homberg, Bezirk Kassel Polizei kennen gelernt und anderseits in Siegen, Westfalen, das Mordplakat mit zweimaliger Abbildung des Mörders, T.S. gesehen. Alles andere war höhere Fügung, in welcher das Walten Gottes auf Erden, für mich deutlich spürbar wurde. Der Täter ist F. S. aus Fietzenhau, Kreis. Freiwaldau. Sein Onkel und sein Cousin L. S. sind wohnhaft in Bad Wildungen, am Wartekoppel Nummer 27. War mit F. S. im Jahre 1935 gut Freund und habe ihn im Februar 1953 zwei Mal in Krefeld-Stratum besucht. Die ausgesetzte Belohnung von DM 1000.- beanspruche ich zur Gänze“. Wie auch immer er an das Geld kommen sollte, alles sei ihm recht, weil er zurzeit absolut bargeldlos sei. Die Homberger Polizeistation wird nach diesem Auftritt von Franz Saeculi in Freudentaumel ausgebrochen seien.

Ob Franz Saeculi jemals an das Geld gekommen ist, ist unbekannt. Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Quellenverzeichnis: Anlageband zum Tagebuch des Polizeikommissariats Fritzlar-Homberg vom 8. Mai 1945 bis zum 31. Dezember 1958, Kopie im Besitz des Autors.

Von Thomas Schattner

Quelle: HNA

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