Mann bei Unfall eingeklemmt: Verfahren gegen Unteroffizier eingestellt

Fritzlar. Ein kurzer Blick in den rechten Außenspiegel hätte vor vier Jahren einen schweren Unfall verhindern können. Vor dem Fritzlarer Amtsgericht wurde das Verfahren gegen einen heute 22-jährigen Unteroffizier der Bundeswehr eingestellt.

Die Richterin am Amtsgericht stellte das Verfahren gegen gegen Zahlung von 2000 Euro vorläufig ein. Wenn der Angeklagte dieses Geld innerhalb eines Monats an den Geschädigten zahlt, wird das Gericht das Verfahren endgültig einstellen.

Was war damals geschehen: Am Unfalltag, im November 2007, sollte der Unteroffizier einen schweren Lkw aus einer Halle fahren. Dazu habe er einen heute 23 Jahre alten Soldat im Dienstgrad Gefreiter eingeteilt, ihm behilflich zu sein, sagte der Angeklagte. Mit diesem Soldat habe er das schon mehrfach so gemacht. Er habe ihm den Auftrag gegeben, das Hallentor zu öffnen, dann das Fahrzeug nach hinten abzusichern und ihn beim Rückwärtsfahren einzuweisen. Er selbst sei in das Führerhaus eingestiegen und habe den Laster gestartet. Auf das Handzeichen des Soldaten habe er den Rückwärtsgang eingelegt, die Bremsen gelöst und sei vorsichtig rückwärts gerollt.

Im linken Außenspiegel habe er gesehen, dass der Soldat nach rechts hinter den Lkw ging. Daraufhin habe er sofort angehalten und die Handbremse betätigt.

Er sei ausgestiegen und an das Heck des Fahrzeugs gegangen. Dort habe er gesehen, dass sein Gehilfe zwischen Lastwagen und Hallentor eingeklemmt war. Er sei schnell wieder eingestiegen und habe das Fahrzeug einen Meter nach vorne gefahren. Im Verlauf der Verhandlung stellte sich heraus, das mit Blick von außen auf das Hallentor, die beiden linken Torsegmente geöffnet, die drei rechten Segmente zum Zeitpunkt des Unfalls aber noch geschlossen waren.

Obwohl der 23-Jährige schwerste Kopfverletzungen erlitt, drei Wochen im Koma lag, bis heute an den Folgen der Verletzungen leidet und den Alltag ohne Hilfe nicht allein bewältigen kann, war er mit seinem Bruder in der Verhandlung anwesend. Die Folgen des Unfalls waren ihm deutlich anzumerken. Er sagte, er habe keine Erinnerung mehr an den Vorfall.

Ein 34-jähriger Hauptfeldwebel, einer der Vorgesetzten des Angeklagten in der Kfz-Halle, berichtete, wie er von der Nachbarhalle zum Unfallort eilte und wie man dort versuchte, dem Unfallopfer zu helfen.

Keine Zeugen des Unfalls

Zeugen, die den Hergang des Unfalls beschreiben könnten, gibt es nicht. Unklar blieb auch, ob der geschädigte Soldat als Einweiser oder als Sicherungsposten tätig war. Beide sollen unterschiedliche Aufgaben haben. Die Richterin begründete ihren Vorschlag das Verfahren gegen den Angeklagten vorläufig einzustellen: Mit seiner Aussage, nicht in den rechten Außenspiegel geblickt zu haben, sei ihm nur ein minimales Verschulden an dem Unfall nachzuweisen. Er sei noch nicht vorbelastet und habe als Soldat einen guten Ruf. Der Vorschlag der Richterin wurde angenommen. (zam)

Quelle: HNA

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