Mann legte Feuer in seiner Wohnung: Freiheitsstrafe 

Marburg/Neustadt. Eine schwere Brandstiftung, die ein 31-jähriger gelernter Schreiner im Zustand verminderter Schuldfähigkeit begangen hatte, wurde vom Marburger Schöffengericht mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 6 Monaten geahndet.

Für die Dauer des Freiheitsentzugs ordnete das Gericht die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Am 15. Oktober vergangenen Jahres hatte der Mann seine Wohnung in Untergeschoss eines Zweifamilienhauses in einem Neustädter Ortsteil in Brand gesetzt. Dazu hatte er mit Grillkohleanzündern das Sofa seines Wohnzimmers angesteckt. Weitere Anzünder hatte er im Schlafzimmer verteilt, um auch dort ein Feuer zu entfachen. Danach hatte er eine bereits gepackte Tasche in sein Auto gestellt und war zu einer Bekannten nach Frankfurt gefahren um dort zu übernachten. Ihr gegenüber hatte er die Brandstiftung mit keinem Wort erwähnt.

Am darauffolgenden Tag war er nach seinen Angaben ziellos durch die Gegend gefahren und dann zurückgekehrt. Durch Handyortung gelang es einer Polizeistreife, ihn festzunehmen.

Durch die Brandlegung war die Wohnung des Mannes vollständig ausgebrannt. Das konnte die von Nachbarn alarmierte Feuerwehr nicht verhindern. Die Wohnung seines Vermieters, die sich im Obergeschoss des Hauses befand, wurde durch den Brand aber nicht in Mitleidenschaft gezogen. Der Vermieter, der vor Gericht als Zeuge aussagte, bezifferte die Schadenshöhe auf rund 50 000 Euro.

Die Brandstiftung hatte der Angeklagte, der sich seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft in der JVA Gießen befand, bei seinen Vernehmungen bei der Polizei und dem Haftrichter ohne Erklärungsversuche gestanden. Ein Motiv für seine Tat nannte er weder dabei noch bei der Gerichtsverhandlung in Marburg, bei der er auch sein Geständnis wiederholte.

Zuletzt 2001 war der Mann mehrfach in ähnlich gelagerten Fällen wegen Brandstiftung oder schwerer Brandstiftung zu Gefängnisstrafen verurteilt worden.

Der Gutachter bescheinigte dem Angeklagten eine schizoide Persönlichkeitsstörung, durch die seine Steuerungsfähigkeit zur Tatzeit erheblich herabgesetzt gewesen sei. Daher beantragte er wegen einer mittelgradig bis höher einzuschätzenden Rückfallwahrscheinlichkeit eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

In ihren Strafanträgen nannten sowohl Staatsanwalt als auch der Verteidiger vier Jahre und sechs Monate als Tat und Schuld angemessen und schlossen sich zur Frage der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus der Einschätzung des Gutachtes an. Während der Haftzeit soll sich der 31-jährige einer Therapie unterziehen, um damit die Wahrscheinlichkeit weiterer Brandstiftungen zu minimieren. Der Angeklagte hörte der gesamten Verhandlung teilnahms- und regungslos zu, verzichtete auf sein letztes Wort und nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an.

Von Alfons Wieber

Quelle: HNA

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