Der Mann mit dem roten Schal

Ullrich Meßmer (SPD)kandidiert erneut für den Bundestag

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Entspannen im Garten in Calden: Momente der Ruhe sind selten. Ullrich Meßmer (SPD) arbeitet als Bundestagsabgeordneter 21 Sitzungswochen lang in Berlin. Die übrige Zeit tourt er durch den Wahlkreis und ist in seinem Büro in Korbach.

Calden. Bei Parteifreund Karl Lauterbach ist es die Fliege – bei Ullrich Meßmer der rote Schal.

Ob der SPD-Bundestagsabgeordnete ein Sommerfest im Waldecker Land besucht, sich vom Fortschritt der Arbeiten an Schloss Riede überzeugt oder mit Kaninchenzüchtern in Hofgeismar plauscht, stets hat der 59-jährige Caldener sein Markenzeichen leger um den Hals gelegt.

Dabei ist die Geschichte des Schals schnell erzählt: Als Gewerkschaftssekretär hatte er sich vor fünf, sechs Jahren bei VW an einer Aktion zum Erhalt von Arbeitsplätzen beteiligt. Weil es kalt war, trug er einen roten Schal. Und mit dem lief er am selben Tag bei einer SPD-Veranstaltung auf. Den Genossen gefiel’s, das Kleidungsstück blieb. „Sehen Sie, manchmal kommt so ein Symbol einfach zu einem“, scherzt Meßmer, der im September 2009 mit einem Direktmandat erstmals in den Bundestag einzog.

Die knappe Hälfte des Jahres ist er in Berlin. Im Verteidigungsausschuss und im Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe arbeitet er mit und hat in einem Punkt seine Meinung radikal geändert. Noch vor fünf Jahren hielt er nichts von den Auslandseinsätzen der Bundeswehr. „Heute weiß ich: Die Soldaten beenden das gegenseitige Abschlachten. “

Zu den größten Erfolgen seiner Arbeit als Abgeordneter zählt Meßmer, der sich mit Laufen fit hält und bereits 20 Marathons absolviert hat, die Gründung der Härtefallstiftung. Die unterstützt Soldaten, die in den 1960er Jahren an Radargeräten einer hohen ionischen Strahlung ausgesetzt waren und später an Leukämie erkrankten.

Stehen in der Hauptstadt keine Sitzungen an, zieht es ihn in die nordhessische Heimat. Mehr als 180 Mal hat er sich während der ersten Legislatur an der Basis bei den SPD-Ortsvereinen blicken lassen. Bei 400 Veranstaltungen von Vereinen und Kommunen ist er aufgetreten. Bei den Feuerwehrfrauen und -männern erkundigt er sich, ob sie bei den Einsätzen von ihren Arbeitgebern die erforderliche Unterstützung erhalten. Er hört sich die Sorgen der Kleintierzüchter an. Die klagen darüber, dass es immer weniger junge Menschen gibt, die sich für die Arbeit mit Tieren begeistern. Mit Schülern diskutiert er über Politik. „Ich versuche, möglichst oft in meinem Wahlkreis zu sein.“

Für die Zukunft hat er sich viel vorgenommen: Die zunehmende Ungerechtigkeit, der Zerfall der Gesellschaft in Arm und Reich, die Schieflage im Arbeitsleben – dagegen will Meßmer angehen. Gleiches Geld für gleiche Arbeit, für Mindestlohn kämpfen, drohende Altersarmut verhindern – der Gewerkschafter mit dem roten Schal, der sich seit eh und je an der Seite der Arbeitnehmer wohlfühlt, weiß, wovon er spricht.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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