Kontakt aus Angst gesucht

Mann soll Ex-Freundin belästigt haben: Verfahren eingestellt

Treysa. Ein 57-Jähriger soll seine Ex-Freundin immer wieder bei der Arbeit aufgesucht und sie mehrmals täglich angerufen haben. Das 52-jährige Opfer habe Angst gehabt, das Haus zu verlassen und sich in ärztliche Behandlung begeben, hieß es in der Anklageschrift.

Wegen Nachstellung musste sich der Mann nun vor dem Amtsgericht verantworten. Wegen Widersprüchen wurde das Verfahren eingestellt.

Opfer und Angeklagter waren ein Paar gewesen. Immer wieder soll aber auch das Opfer nach der Trennung Kontakt mit dem 57-Jährigen aufgenommen haben. Dies sei nur aus Angst vor ihm geschehen, begründete die Hausfrau aus dem Schwalm-Eder-Kreis dieses Verhalten. Vorgefallen sind diese Ereignisse von Ende 2012 bis zum Frühjahr vergangenen Jahres.

Der Angeklagte sagte in englischer Sprache aus, ein Dolmetscher übersetzte. Nicht er, sondern das Opfer habe immer wieder bei ihm angerufen. "Ich habe die Nachrichten auf Kassette aufgezeichnet", sagte der 57-Jährige. Auch will er mit ihr nach der Trennung immer wieder Sex gehabt haben.

Das bestritt das Opfer nicht. Stattdessen versuchte sie zu erklären, warum sie den Kontakt aufrecht erhalten hat. Demnach hatte auch sie den Angeklagten mehrmals angerufen. Aber nur, um mit ihm wegen ihres während der Beziehung eröffneten Geschäfts zu einer Einigung zu kommen. Er hatte sie finanziell unterstützt, jetzt streiten beide über die Schulden.

Nach der Trennung im Oktober 2012 habe er sie beleidigt und bedroht. "Er hat mir gesagt, dass ich es sehr bereuen werde." Er habe auch immer gewusst, wo sie war. "Ein Nein hat er nicht akzeptiert", sagte sie.

Doch aus Sicht des Gerichts war ihr Verhalten nicht ganz nachvollziehbar. "Sie hätten es in der Hand gehabt", sagte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Denn das Opfer hatte eine einstweilige Verfügung beantragt, die sie jedoch wieder zurücknahm. In der Verfügung stand: Der Mann darf sie nicht kontaktieren und sich ihr auf 50 Meter nicht nähern. Eine Zuwiderhandlung könne ein Ordnungsgeld in Höhe von 250 000 Euro nach sich ziehen.

Doch es kam anders: Statt die Polizei zu rufen, wenn er in ihrem Geschäft stand, nutzte das Opfer das Auto des Angeklagten und besucht seine Tochter in seiner Wohnung. "Wegen Geringfügigkeit sehen wir von einer Verfolgung ab", begründete der Richter das Urteil.

Von Nina Nickoll

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Symbolbild/dpa

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