Anzeige erst Jahre nach der Tat

Mann soll Mädchen im Ehebett neben seiner Frau missbraucht haben

Marburg. Schwerer sexueller Missbrauch an einem Kind unter 14 Jahren - so lautete die Anklage, wegen der sich ein 58-jähriger aus dem Schwalm-Eder-Kreis vor dem Landgericht Marburg verantworten musste.

Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich um eine einmalige Tat, die zwischen Anfang 1996 und dem 31. März 1998 stattgefunden haben soll.

Zur Sache befragt, bejahte der Angeklagte die in der Anklageschrift beschriebene Situation: Dass er mit seiner Ehefrau und dem Mädchen gemeinsam im Ehebett gelegen habe. Er bestritt jedoch vehement, das Kind unsittlich berührt zu haben. Seine Söhne hätten damals häufiger mit dem Mädchen und deren Geschwistern gespielt. Ihre Mutter und seine Frau seien beste Freundinnen gewesen, deswegen hätten die Kinder oft bei ihnen übernachtet, einmal auch in dem Ehebett.

Die heute 24-Jährige schilderte als Nebenklägerin - teils unter Tränen - ihre Erinnerung jener Nacht. Sie habe während des Missbrauchs versucht, sich am Rücken der Ehefrau festzuhalten, deswegen sei diese erwacht. Die Frau habe Licht gemacht und zu ihrem Mann gesagt: "Was machst du da? Bist du bescheuert?". Dann habe die Ehefrau das Kind auf ihre Bettseite gelegt, sei zur Toilette gegangen und habe sich danach zwischen das Mädchen und ihren Ehemann gelegt.

Vor ungefähr fünf Jahren, so die Nebenklägerin, sei sie zufällig beruflich dem Angeklagten begegnet und ihr sei der Missbrauch wieder eingefallen. Anzeige erstattete sie im vergangen Jahr.

Als Zeugen waren die Mutter, die Schwester, der Bruder, ihr Exfreund und der derzeitige Lebensgefährte der jungen Frau geladen. Die geschiedene Ehefrau des Angeklagten nahm ihr Zeugnisverweigerungsrecht in Anspruch.

Der Vorsitzende Richter befragte die Zeugen eindringlich, wann und wie die Nebenklägerin ihnen von dem Vorfall berichtet habe. Der ehemalige Freund erklärte, er habe direkt nach dem Zusammentreffen seiner Freundin mit dem Angeklagten von ihr den Missbrauch erzählt bekommen.

Er habe ihren Bericht so verstanden, dass es damals zu einem mehrmaligen Missbrauch gekommen sei. Die Familie und der derzeitige Lebensgefährte, die vor gut einem Jahr von der Nebenklägerin informiert worden waren, berichteten jeweils nur von einem Vorfall. Der Bruder wies jedoch darauf hin, dass er gar keine Angaben machen könne, da er von Anfang an gesagt habe, dass er "mit dieser Sache" nichts zu tun haben wolle.

Der Familie der Nebenklägerin war auf Nachfrage damals, als der Missbrauch stattgefunden haben soll, keine Veränderung an ihrer Schwester oder Tochter aufgefallen. Auch nicht, dass diese nicht mehr zu Besuch zu dem Angeklagten gewollt habe. Im Laufe der Zeit hätten sich die Wege der beiden Familien getrennt.

Nach dem Ende der Zeugenvernehmungen überraschte die Verteidigung mit drei Anträgen. Während die ersten beiden Anträge, Zeugenvernehmung zweier Jugendamtsmitarbeiter und Bestellung eines Sachverständigen, vom Richter abgelehnt wurden, nahm er den dritten Antrag auf Zeugenvernehmung der beiden Söhne des Angeklagten an.

Der Prozess wird am 10. April fortgesetzt.

Von Christiane Decker

Quelle: HNA

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