Margit Seiler stellt in Kunst- und Kulturmühle aus

 "RückAnsichten" zeigt Pos und mehr

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Die Torsi mit den Rückansichten hängen an der Wand. Künstlerin Margit Seiler möchte sie schweben lassen.

Melsungen. "RückAnsichten" heißt die Ausstellung von Margit Seiler. Die 45-jährige Absolventin der Städelschule Frankfurt zeigt Skulpturen und Zeichnungen in der Kunst- und Kulturmühle Beiseförth.

Anmutig sind die Rücken und Pos der figürlichen Skulpturen. Ihre Energie sollen sie aus dem Dialog untereinander beziehen, sagt die Melsunger Künstlerin. Sie wolle kein exponiertes Kunstwerk in den Mittelpunkt stellen, es gehe ihr vielmehr um die serielle Arbeitsweise. Mit der Ausstellung schaffe sie einen Raum mit Platz für Intimität - einige provokantere Exponate habe sie indes zurückgenommen.

In Beiseförth gehe es ihr um die Konfrontation - die Besucher in Kontakt zu bringen mit ihren Gefühlen. Die Skulpturen dürfen dabei vereinzelt angefasst werden. "Das können auch störrische Erfahrungen sein. Der glatte, fast anschmiegsame Po, der mit seiner rauhen Haut aus Ytong-Stein überrascht." Dennoch seien Zartheit und Zärtlichkeit Bestandteile des Erlebens der Kunstwerke.

Das Beschützenwerte sei ihr wichtig und das Gefühl sei in den vergangenen Jahren durch ihre Mutterschaft gestärkt worden.

Seit nunmehr fünf Jahren lebt Seiler mit ihrem Mann, ihrer Tochter und ihrem Sohn in Melsungen. "RückAnsicht" wird dabei ihre erste Ausstellung in ihrer derzeitigen Heimat sein.

Kunstschaffende sei sie immer gewesen, zuletzt aber doch deutlich reduziert. Seit etwa drei Jahren sei der Drang wieder da und die Zeit endlich auch, sagt sie und lacht. Dabei sitzt sie in ihrem hellen Atelier zwischen Steinen, Zeichnungen und Werkzeugen.

"RückAnsicht" wird zugleich aber wohl auch ihre letzte Ausstellung in der Region sein. Jedenfalls vorerst. Zum neuen Jahr wird die Familie nach Berlin ziehen. Dort möchte sie sich wieder verstärkt der Kunst zuwenden. Seiler hat in all ihren Werken einen starken Hang zur Körperlichkeit. Im Museum für Moderne Kunst Frankfurt zeigte sie Füße, auch Penisse und Torsi mit weiblichen Geschlechtsteilen stellte sie aus - unter anderem in New York, Neapel und Wien.

Sie empfinde sich Dingen und dem Körper zugewandt mit ihren Ausstellungen möchte sie zugleich Leichtigkeit demonstrieren, Stoffe atmen lassen. Die Skulpturen hängen oder besser schweben daher an den Wänden. "Gerade Ytong simuliert mit seiner Oberfläche etwas Feinstoffliches. Alabaster sei durchscheinend - das seien ihre Materialien: Steine und Stoffe.

Auch Zeichnungen aus Textilien mit Umrissen von Körperteilen wird es zu sehen geben. Kunst zeige dabei oftmals nur die Reduktion auf das Wesentliche dessen was man zeigen möchte, sagt die gebürtige Marburgerin. Ausstellung: Kunst- und Kulturmühle Beiseförth, Vernissage am Mittwoch, 30. April, 18 Uhr, geöffnet von Donnerstag, 1. bis Sonntag, 4. Mai jeweils von 11 bis 17 Uhr.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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