Frauen trafen sich nach 54 Jahren in Ehlen wieder

Wiedersehen nach 54 Jahren: Marianne Winzig aus Ehlen (links) und Bärbel Engelmann aus Berlin. Foto: Neubauer

Ehlen. „Wir haben uns sofort wiedererkannt", sagt Marianne Winzig aus Ehlen. Die Freude über das Wiedersehen mit ihrer Freundin Bärbel Engelmann steht ihr ins Gesicht geschrieben.

Dafür hat ihre heute 70-jährigen Freundin, die in Berlin lebt, das Dorf kaum wiedererkannt. Es waren schließlich andere Zeiten, als sie 1956 als Elfjährige mit der Berliner Kinderlandverschickung zur Familie Jordan nach Ehlen kam. Dass die Familie eine zwölfjährige Tochter namens Marianne hatte, mit der sie sich gleich anfreundete, machte ihr den Anfang leichter.

„Für uns war sie eine Attraktion, denn als Großstadtpflanze brachte sie frischen Wind in unser Dorf“, erzählt die 71-jährige Marianne Winzig, geborene Jordan, und lacht dabei. „Wir waren so ein bisschen wie Stadtmaus und Kirchenmaus.“

„Großstadtpflanze brachte frischen Wind in unser Dorf.“ 

Doch für das Großstadtmädel waren die Arbeit auf dem Feld und der sonntägliche Gottesdienst eher ungewohnt. Als Ausgleich gab es auch Freizeitvergnügen. Bis heute hat sie nicht vergessen, dass die Ehlener Geld sammelten, damit sie zusammen mit Marianne an einem Jugendlager auf dem Dörnberg teilnehmen konnte.

Treffen am Gartenzaun: Marianne Winzig (rechts), Bärbel Engelmann, Gudrun Michal und Helga Schellhase in der Kohlenstraße. Foto:  Privat

Die Freundschaft zwischen den beiden Mädchen war so eng geworden, dass sie sich nach Bärbels Rückkehr nach Berlin weiterhin Briefe schrieben. 1961 besuchte Marianne Winzig ihre Freundin in Berlin und lernte ein bisschen das Großstadtleben kennen.

Doch dann heirateten beide Frauen, zogen um und waren mit Haus, Beruf und Kind voll ausgelastet. Sie hatten sich aus den Augen verloren. Bis Gunnar Martini, ein Neffe von Engelmanns Ehemann, aus beruflichen Gründen vor drei Jahren nach Ehlen zog. Als er seiner Tante davon erzählte, kam bei ihr die Erinnerung an Familie Jordan wieder hoch und der Wunsche, Marianne wiederzusehen. Sie beauftragte ihren Neffen, ihre Freundin zu suchen. Er schaffte es tatsächlich, die inzwischen verheiratet Freundin mithilfe des Geschichtsvereins Ehlen aufzuspüren.

Dem Wiedersehen stand nichts mehr im Wege. Und so trafen sich die Freundinnen Anfang August nach 54 Jahren wieder. Marianne Winzig hatte ein besonderes Geschenk dabei. Eine große Schüssel mit grünem Salat in Schmandsoße. „Die mochte Bärbel immer so“, sagt Marianne Winzig schmunzelnd.

Von Ursula Neubauer

Quelle: HNA

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