Vom Horror zur erträglichen Therapie: Wie sich die Dialyse-Technik verändert hat

Vom Horror zur Therapie: Wie sich die Dialyse-Technik verändert hat

Lebenswichtiges Gerät: Professor Jürgen Wagner und Simone Ries zeigen die Dialysemaschine „Dialog+“. Der Zylinder am rechten Rand der Maschine ist der Dialysator. Fotos: Maier/privat

Melsungen. Überleben, egal wie – so lautete Mitte des 20. Jahrhunderts die Devise bei Nierenversagen. Der Patient musste täglich zur bis zu acht Stunden dauernden Dialyse. Ohne Dialyse bedeutete Nierenversagen den Tod. Dank technischer Entwicklung ist der Vorgang heute komfortabler und sicherer.

Die erste klinisch erfolgreiche Dialyse gab es in den 1940er Jahren. „Das Prinzip ist seit Jahrzehnten gleich“, sagt Wagner. Vereinfacht ausgedrückt: Das Blut des Patienten wird aus dem Körper gepumpt, von schädlichen Stoffen befreit und wieder dem Blutkreislauf zugeführt. Dabei durchläuft es den so genannten Dialysator, das Herzstück der Maschine. Das ist ein Zylinder, in dem ungezählte mikroskopisch dünne Membran-Röhrchen gesammelt sind, die von einer Dialysierflüssigkeit umspült werden. Die Membran der Röhrchen hat winzige Poren. Das Blut wird durch die Röhrchen gepumpt, entgegen der Fließrichtung der Dialysierflüssigkeit, die das Röhrchen umfließt. Durch die Poren entsteht nun ein Stoffaustausch: Was nicht ins Blut gehört, gelangt durch die Poren hinaus. Dieses Gegenstromprinzip sei der menschlichen Niere abgeschaut, sagt Wagner.

Computer denkt mit

„Das gesamte Blut des Patienten durchläuft pro Behandlung mehrmals den Dialysator“, erklärt der Professor. Bei chronischem Nierenversagen müsse der Patient drei Mal pro Woche zu je vier Stunden zur Dialyse. Mehrere Jahrzehnte könne man heutzutage dank der Dialyse ohne Nierenfunktion überleben.

Während im vergleichsweise kleinen Dialysator die eigentliche Blutbehandlung stattfindet, regelt der große Rest der Maschine den Prozess, erklärt Wagner. Dazu zählen die Überwachung des Vorgangs und die Dosierung der Dialysierflüssigkeit. Falls Luft ins Blut gelangt, wird der Vorgang automatisch abgebrochen.

B. Braun begann in den 1950er Jahren mit der Herstellung von Dialyseprodukten, erklärt Simone Ries von B.Braun Avitum. Zunächst sei es nur Zubehör gewesen. Durch den Kauf des Firma Fraba im Jahr 1969, kam auch die Herstellung von Dialyse-Maschinen hinzu. 1975 produzierte Braun einen Einmal-Dialysator und war deutschlandweit der einzige Anbieter eines kompletten Versorgungssystems. 1984 kam das erste Gerät, das über einen Bildschirm verfügte, zehn Jahre später war es ein Touch-Screen. Seit 2003 gibt es das aktuelle Modell „Dialog+“.

Von Eugen Maier

Quelle: HNA

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