Zehnjähriger riss sich los – Polizei sucht nach Unbekanntem

Maskierter wollte Jungen ins Auto ziehen: 10-Jähriger riss sich los

Morschen. Mit einem Tritt in die Weichteile hat sich ein Grundschüler aus Altmorschen am Mittwochabend aus der Umklammerung durch einen maskierten Mann befreit und ist geflüchtet. Das teilte die Polizei am Donnerstag mit.

Nach Angaben eines Sprechers hatte sich der Unbekannte dem Jungen, der mit seinem Fahrrad auf dem Heimweg von einem Freund war, um 17.26 Uhr in Höhe des Kindergartens Altmorschen genähert und ihn festgehalten.

Er habe den Grundschüler in seinen grünen Opel Astra ziehen wollen, sagte Polizeisprecher Markus Brettschneider.

Der Junge vertraute sich kurz nach dem Überfall einer 16-Jährigen an, die die Polizei alarmierte. Nach dem Maskierten wird jetzt gefahndet.

Dieser Artikel wurde um 18.38 Uhr aktualisiert.

Der Unbekannte wird von dem Zehnjährigen ungewöhnlich gut beschrieben: Er soll braune Haare haben, 1,83 Meter groß, mit einer roten Jacke und schwarz-blauen Schuhen bekleidet gewesen sein und eine beige Strumpfmaske getragen haben.

Ende Januar waren in Altmorschen vor der Grundschule, unweit des jetzigen Tatorts, zwei 15-jährige Mädchen von einem Mann „in Richtung sexueller Kontaktaufbau“ angesprochen worden, berichtete die Kripo. Damals sei der Täter ermittelt und zur Zurückhaltung ermahnt worden. Es wurde keine Strafanzeige erstattet.

Der Mann fahre zwar auch einen grünen Opel, habe aber für Mittwoch ein Alibi und passe auch nicht zu der Beschreibung des aktuellen Falls. Seit dem Vorfall im Januar kursierten in Altmorschen Gerüchte über einen Unbekannten, der Kinder anspreche.

 In der Geog-August-Zinn-Schule sei deshalb bereits in der vergangenen Woche in allen Klassen und Donnerstag dann noch einmal das Verhalten gegenüber Fremden thematisiert worden, berichtete Schulleiter Michael Appel.

Die Polizeidirektion Schwalm-Eder bittet um Hinweise auch zu anderen Fällen unter Tel. 05681/7740.

Vorsichtsmaßnahmen für mehr Sicherheit

Mithilfe einer Telefonkette, die durch einen Anruf des Schulleiters bei der Elternbeiratsvorsitzenden ausgelöst worden war, ging die Nachricht vom missglückten Überfall am späten Mittwoch wie ein Lauffeuer durch Altmorschen.

Nach einem Anruf der Polizei habe er zum Hörer gegriffen um die Eltern zu erhöhter Vorsicht aufzurufen, sagte Rektor Michael Appel. Außerdem werde die Frühaufsicht an der Bushaltestelle ausgeweitet, um die Sicherheit der 130 Grundschüler zu verbessern, das Spielgelände in den Pausen beschränkt und der Toilettengang während des Unterrichts nur noch zu zweit erlaubt.

 Außerdem soll es bald eine Information für die Eltern gemeinsam mit der Polizei geben, kündigte Appel an. (and)

Kommentar von HNA-Redakteurin Andrea Brückmann

Panik hilft nicht - Andrea Brückmann über das Vorbild der Eltern:

Jetzt sind die Eltern der Mörscher Grundschüler mehr denn je gefragt. Denn an ihrem Verhalten werden sich die Sechs- bis Zwölfjährigen orientieren. Wenn Mütter und Väter wegen des glücklicherweise missglückten Übergriffs zuhause Panik verbreiten, dann werden auch ihre Töchter und Söhne bald nicht mehr ruhig schlafen, wie gewohnt Freunde besuchen oder an der Haltestelle auf den Bus warten. Denn das Vorbild der Eltern und Großeltern entscheidet über den Seelenfrieden der Kinder.

Wachsamkeit und Vorsicht sind wichtig, Panik ist falsch. Die Erwachsenen müssen ihren Kleinen klar machen, dass es Hilfe in der Not gibt und Techniken, um sich zu schützen. Das können die Kinder noch so gut gelernt haben, wenn sie aus Angst in die Opferrolle verfallen, nützt alles Training nichts.

Das Üben für den Ernstfall beginnt am besten mit dem Laufenlernen: Selbstbewusste Kinder, die ihre Meinung und ihre Rechte vertreten, sind für Eltern zwar anstrengend, aber sie machen im Notfall allein durch ihre Körpersprache deutlich, dass sie sich wehren werden.

Quelle: HNA

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