Massenanfall von Verletzten: Großübung in Willingshausen hatte es in sich

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Willingshausen. Feuer, Rauch und heftige Explosionen bildeten am Samstagnachmittag die Ouvertüre für eine große Katastrophenschutzübung in Willingshausen.

Pyrotechniker Lars Röse hatte mit seinem Team tief in die Trickkiste gegriffen. Überall qualmte es, sprühten Funken und Gasflaschen flogen durch die Luft - die Einsatzkräfte und die zahlreichen Zuschauer der durch Horst Faust moderieren Übung waren sichtlich beeindruckt.

Um Punkt 13 Uhr heulten in allen Willingshäuser Ortsteilen die Sirenen und die Feuerwehren der Gemeinde machten sich auf dem Weg in die Merzhäuser Straße. Anlässlich des 100-Jährigen Bestehen des DRK-Ortsvereins Willingshausen übten 150 Einsatzkräfte von Feuerwehr, DRK, Malteser-Hilfsdienst, Rettungsdienst und der Asklepios-Klinik Schwalmstadt den Katastrophenfall.

Die Übung in Bildern

Katastrophenschutzübung in Willingshausen

„Ziel der Übung ist der Aufbau und Betrieb eines Behandlungsplatzes, das Einüben einer Führungsstruktur für den Einsatzabschnitt Patientenbehandlung, das Überprüfen der Abläufe bei einem Massenanfall von Verletzten in der Asklepios Klinik Schwalmstadt und die Nutzung des neuen Digitalfunks bei einer umfassenden Schadenslage mit fünf Einsatzabschnitten“, so Uwe Wunsch vom Brandschutzamt des Schwalm-Eder-Kreises am Rande.

Laut Übungsszenario überzog ein heftiges Unwetter Willingshausen und überraschte die Besucher eines Volksfestes auf dem Gerhardt-Reutern-Platz. Bäume wurden entwurzelt und ein Festzelt stürzte in sich zusammen. 25 Menschen werden durch Trümmerteile schwer verletzt, Kinder irren orientierungslos umher.

„Aufgrund der großen Anzahl von Verletzten und zu Betreuenden wird in einem solchen Fall durch die Leitstelle das Stichwort MANV - Massenanfall von Verletzten - ausgelöst. Zusätzlich zu den Kräften des Rettungsdienstes begeben sich dann Sanitäts- und Betreuungszüge zur Einsatzstelle und auch im Krankenhaus wird ein spezieller Notfallplan aktiviert“, erklärte Uwe Wunsch.

Unter der Leitung von Gemeindebrandinspektor Ralf Lipphardt, retteten die Willingshäuser Feuerwehren die durch den Mimentrupp Schwalm-Eder effektvoll geschminkten und dargestellten Verletzten unter den Trümmerteilen und leisteten Erste Hilfe. Noch an der Einsatzstelle führten Notärzte eine sogenannte Triage durch. Hierbei werden Verletzte kategorisiert, um weitere Abläufe besser planen zu können. Die Sichtungskategorie T1 I bedeutet zum Beispiel akute, lebensgefährliche Verletzung und macht eine sofortige Behandlung notwendig. Mithilfe dieses Systems ist gewährleistet, dass Leichtverletzte das Rettungssystem nicht überlasten und als erstes die Schwerverletzten in die Krankenhäuser kommen (Aufstellung unten).

Sichtungskategorien einer Triage 

• Rot, T 1 Akute, vitale Bedrohung Sofortbehandlung

• Gelb, T 2 Schwerverletzt / erkrankt dringende Behandlung

• Grün, T 3 leicht verletzt / erkrankt Spätere (ambulante) Behandlung

• Blau, T 4 ohne Überlebenschance, betreuende (abwartende Behandlung

Ortswechsel: Parallel zum Tagesgeschäft hatte das Krankenhauspersonal in Ziegenhain für die Übung eine effektive Notfallstruktur eingenommen. Immer wieder rollten die Krankentransportwagen des Katastrophenschutzes vor den Haupteingang der Asklepios-Klinik und Verletzte wurden durch den Haupteingang geschoben. Sofort kümmerte sich ein eingespieltes Team von Ärzten und Pflegekräfte um die Übungspatienten, alles lief Hand in Hand.

„Wir waren eine halbe Stunde nach Übungsbeginn einsatzbereit, hatten unser Triage-Team bereitstehen und eine Einsatzleitung etabliert. Im Ernstfall hätten wir über 60 zusätzlich Betten zur Verfügung gehabt“, zog der Geschäftsführer der Asklepiosklinik Ziegenhain Christoph Engelbrecht zufrieden ein erstes positives Fazit aus der Übung.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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