Die gefährdete Bekassine ist Vogel des Jahres 2013 – In der Schwalm zuletzt 2011

Das Meckern ist verhallt

In Wabern gesichtet: Die Bekassine ist der Vogel des Jahres 2013, die Aufnahme des Naturfotografen Manfred Delpho entstand an den Waberner Schlämmteichen. Foto: Delpho/nh

Schwalm. Die Bekassine ist in Deutschland selten geworden und stark gefährdet. Ihre Lebensräume, Feuchtwiesen und Moore, verschwinden immer mehr. Deshalb wurde die wegen ihres meckernden Rufes auch „Himmelsziege“ genannte Schnepfenart vom Naturschutzbund Nabu zum Vogel des Jahres 2013 gekürt.

„In ganz Hessen gibt es nur noch 100 bis 150 Reviere der Bekassine“, erklärte Nabu-Landesvorsitzender Gerhard Eppler. Seit den 1970er Jahren haben die Bestände rapide abgenommen. Mit der Kür zum Vogel des Jahres soll die Bekassine als Botschafterin für den Erhalt von Mooren und Feuchtwiesen werben. Der taubengroße Schnepfenvogel mit dem beige-braunen Federkleid und dem markanten Schnabel wird wegen seines lautstarken Balzflugs auch gerne „Meckervogel“ genannt.

Die Moore verschwinden

„Die Bekassine hätte tatsächlich guten Grund, sich zu beschweren, denn mit Mooren und Feuchtwiesen schwindet ihr Lebensraum zusehends. Es wird allerhöchste Zeit, Feuchtwiesen in Hessen streng zu schützen. Wir dürfen nicht länger zulassen, dass der Grundwasserspiegel abgesenkt und Flächen entwässert, Grünland umgepflügt und Wiesen aufgeforstet werden“, so Eppler. Dass die Bekassine in Deutschland vom Aussterben bedroht sei, liege vor allem an der systematischen Zerstörung ihrer Lebensräume. Der Biotopschwund betreffe viele weitere Arten, darunter nahe Verwandte wie den Großen Brachvogel oder die Uferschnepfe, die in Hessen schon praktisch ausgestorben sind.

Wenige Beobachtungspunkte

In Hessen gibt es nur noch wenige Orte, an den die Bekassine beobachtet werden kann, die meisten brüten in den Feuchtgebieten der Wetterau. In den höheren Lagen von Rhön, Vogelsberg und Westerwald gibt es nur noch Einzelpaare. Entlang der Schwalm war der seltene Vogel ursprünglich weit verbreitet und kam mit 50 bis 100 Paaren in Feuchtwiesen vor. Inzwischen muss die Art seit fast zehn Jahren als ausgestorben gelten, doch hatte sich ein Paar zur Brutzeit 2011 im Wiesenvogelschutzgebiet im Rückhaltebecken zwischen Ziegenhain und Treysa angesiedelt, berichtet der Schwalmstädter Vogelkundler Stefan Stübing von der HGON (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz).

Die Naturschutzverbände verfolgen seit Jahren die Strategie des Flächenkaufs für den Naturschutz und übernehmen die Betreuung von Schutzgebieten wie dem Wiesenvogelgebiet im Rückhaltebecken Schwalmstadt.

Dadurch konnten bereits viele Gebiete als Lebensräume für den Vogel des Jahres 2013 gerettet werden.

Darüber hinaus kann jeder Einzelne zum Schutz der Bekassine beitragen, indem er torffreie Blumenerde verwendet, so die Verbände. So werden die Moore in Norddeutschland und Osteuropa vor der Abtorfung bewahrt und können als Brutplatz der Bekassine und vieler weiterer Arten geschützt werden. (bf) STECKBRIEF

Quelle: HNA

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