Möglicherweise wurde ein nicht zugelassenes Präparat eingesetzt

Medikamententests an Heimkindern in Treysa: Wer war betroffen?

Treysa. Hephata hat in den 50er-Jahren offenbar Medikamente an Heimkindern getestet. Nun sucht die Treysaer Diakonieeinrichtung Betroffene.

„Im Interesse ehemaliger Heimkinder und um für uns Klarheit zu bekommen, wollen wir herausfinden, ob es auch in Hephata Versuche an Kindern gegeben hat“, erklärt Maik Dietrich-Gibhardt, theologischer Vorstand der Hephata Diakonie in einer Pressemitteilung.

Durch die Recherchen der Pharmazeutin Sylvia Wagner im Archiv des Pharmaherstellers Merck in Darmstadt gebe es nun aber einen Anhaltspunkt dazu, dass möglicherweise auch in Hephata ein seinerzeit noch nicht zugelassenes Präparat eingesetzt worden ist. Konkret beziehe sich der Hinweis auf das Jahr 1957 und das Medikament Decentan. Außer dieser Jahreszahl, der Benennung des fraglichen Medikaments und des Namens einer seinerzeit bei Hephata tätigen Ärztin habe die Hephata Diakonie indes noch keine genaueren Erkenntnisse über mögliche Medikamentenversuche erlangt. Erste eigene Recherchen in Archiv-Akten Hephatas hätten bislang keine Hinweise auf mögliche Versuche zu Tage gebracht.

„Das Pharmaunternehmen hat zugesagt, dass wir so bald wie möglich die Unterlagen sichten dürfen“, sagt Dietrich-Gibhardt. Parallel zu der Anfrage an Merck hat die Hephata Diakonie Kontakt zu Sylvia Wagner aufgenommen. „Wir wollen die Pharmazeutin bei ihrer weiteren wissenschaftlichen Arbeit unbedingt unterstützen und sie auch zu uns nach Schwalmstadt einladen“, betont der Vorstandssprecher.

Außerdem setzt die Einrichtung auf mögliche Hinweise von ehemaligen Heimkindern, die im genannten Jahr 1957 in Hephata gelebt haben und von einem etwaigen Medikamententest betroffen sein könnten. 

• Kontakt: Hephata-Vorstandssekretariat, Telefon 06691 18-1443, E-Mail buero.dietrich-gibhardt@hephata.de

Hintergrund:

Zwischen 1950 und 1970 lebten in Hephata 1600 Kinder und Jugendliche. Die diakonische Einrichtung unterhielt in dieser Zeit zwischen 100 und 130 Heimplätze auf dem Hephata-Areal in Treysa. Neben Unterkunft und Schule gab es auch ein Lehrlingsheim. Kontakte zu ehemaligen Heimkindern aus den 50er- bis 70er- Jahren, die bei Hephata Leid an Leib und Seele erfahren haben, gibt es seit Beginn der intensiven Aufarbeitung dieses bitteren Kapitels der Hephata-Geschichte vor sieben Jahren. 2010 hatte die Diakonieeinrichtung öffentlich dafür um Entschuldigung gebeten. Das Gesicht der Hephata-Jugendhilfe gibt es in dieser Form nicht mehr. 

Quelle: HNA

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