Mehr als ein Baumhaus: Unterstand für drei Kanadier

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Arbeiten an einer Trittleiter: (von links) Jonas Andreas Steinwachs (15 Jahre), Betreuer und Zeitsoldat Thomas Schumann sowie Michael Lumnitz (13) zeichnen die Maße auf, die später der Aufgang ins Baumhaus haben soll. Fotos:  Schittelkopp

Willingshausen - Im Schlosspark in Loshausen wird derzeit fleißig gearbeitet. 14 Jungen und Mädchen bauen an einem Baumbootshaus. Direkt an der Schwalm entsteht ein Unterstand für drei Kanadier. In der Sommerfreizeit der Well-Being-Stiftung bauen die jungen Leute eine Woche lang daran.

Die Kinder und Jugendlichen, die an der Ferienfreizeit teilnehmen, leben in Pflege- und Adoptivfamilien. Sie kommen aus dem Raum Kassel sowie den Landkreisen Schwalm-Eder und Werra-Meißner.

„Die Idee des Baumbootshauses im Schlossgarten hatten die Teilnehmer“, sagte Michael Neuner von der Well-Being-Stiftung. Zusammen mit Thomas Schumann, Zeitsoldat aus Loshausen, arbeiten die Jugendlichen an dem Baumhaus. Eine Gruppe zeichnet die Maße aufs Holz, eine andere Gruppe bereitet die Latten mit Lasur vor. „Ich habe echt Lust, das Baumhaus zu bauen“, erzählt der 17-jährige Marcel Schomberg aus Schaumberg-Martinhagen. Er fühlt sich in Loshausen wohl, weil es hier keine Vorurteile gegen Kinder aus Pflegefamilien gibt. Als Pflegekind habe er manchmal das Gefühl gehabt, ein Teil der Gesellschaft zu sein, den keiner haben will. „Hier ist es egal, ob man adoptiert, Pflege- oder leibliches Kind ist“, fügt die 17-jährige Sarjana Streit aus Kassel an. Sie ist mit ihrem Pflegebruder in die Freizeit gekommen. Zwei andere Aufgaben bekam Araya Pluemsuk an diesem Tag: Sie wusch das Geschirr ab und passt auf das Maskottchen des Camps, einen Tropenhelm auf. Die Aufgaben werden täglich neu verteilt. „Ich fühle mich wie im Urlaub hier“, fügt die 14-Jährige an.

Die Freizeit soll ihnen neben einer Aufgabe sowie Ruhe, Natur und Entspannung auch die Möglichkeit geben, sich mit Altersgenossen auszutauschen. „Zudem sollen die Kinder erfahren, dass etwas, das sie geleistet haben, honoriert wird“, sagt Neuner. Die Projekt heißt Gleisarbeiten und wird zum zweiten Mal von der Stiftung und dem Verein Pflege- und Adoptivfamilien angeboten. Bei der Umsetzung helfen das Rote Kreuz Ziegenhain, das Team Skywalker, die AWO Nordhessen sowie Bewohner des Schlosses. Das DRK stellte Feldbetten zur Verfügung, damit sie bei dem feucht-kalten Wetter derzeit in ihren Zelten nicht auf dem Boden schlafen müssen.

Vergangenes Jahres hatte die Stiftung das Projekt auf den Weg gebracht: Gemeinsam mit einer Tischlerin bauten die Kinder drei Boote.

Die drei Kanadier verblieben in Loshausen. „Wenn es das Wetter zulässt, wollen wir bis nach Zella paddeln“, sagt Neuner. Nun werkeln die Jugendlichen an einem Unterstand für ihre Boote.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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