Experten aus dem Landkreis rechnen mit geringem Anstieg

Mehr Menschen sollen Organspender werden

Schwalm-Eder. Organe spenden - ja oder nein? Mit dieser Frage werden auch die Menschen im Schwalm-Eder-Kreis bald häufiger konfrontiert werden. Die Bundestagsfraktionen haben sich darauf geeinigt, die Bereitschaft der Menschen zu einer Organspende regelmäßig abzufragen.

Als einen Schritt in die richtige Richtung wertet Dr. Gunther Claus, Chefarzt der Internistische Abteilung im Klinikum Melsungen, diese Neuregelung.

Zugleich geht er davon aus, dass sich dadurch die Zahl derer, die ein Organ spenden wollen, nicht drastisch erhöhe. Dabei wäre das nicht nur für die Empfänger eines Organs, sondern auch für die Angehörigen des möglichen Spenders oft eine große Hilfe. "Dann ist klar, was der Betroffene gewollt hat."

Claus spricht sich für "ein staatliches Durchgreifen in Sachen Organspende aus". So wie in Österreich: Dort gilt als Organspender, wer sich nicht dagegen ausspricht. "Dann können wir schneller handeln", sagt Claus, der einen Organspendeausweis besitzt.

Mehr Beratungsbedarf bei den Patienten erwartet Dr. Wolfgang Dausch, Ärztlicher Direktor des Hospitals zum Heiligen Geist in Fritzlar, wegen der anstehenden Änderung des Transplantationsgesetzes.

"Das Thema war bei uns nicht so im Fokus, wie es hätte sein sollen", räumt Dausch ein. Von allen in den vergangenen zehn Jahren im Hospital gestorbenen Patienten seien lediglich zwei für eine Organentnahme in Frage gekommen. Nur bei wenigen Menschen sei die Entnahme überhaupt möglich (siehe Hintergrund unten).

Transplantationen spielten in Kliniken mit einer neurochirurgischen Abteilung eine Rolle. Diese Patienten würden aber nicht in Krankenhäusern des Landkreises behandelt. Menschen können sich bei ihrem Arzt und im Krankenhaus beraten lassen.

Hintergrund: Entnahme nur bei Hirntod möglich

Die Bundestagsfraktionen einigten sich auf eine Neuregelung zum Organtransplantationsgesetz. Ethikexperten erarbeiten derzeit einen Gesetzesentwurf. Die geplante Erklärungslösung sieht vor, dass die Spendenbereitschaft der Menschen regelmäßig abgefragt werden soll, etwa beim Versand der Versichertenkarte. Dies soll mit Nachdruck geschehen, aber ohne Zwang oder Strafen. Organe können nur Menschen entnommen werden, deren Gehirn nicht mehr arbeitet, die übrigen Organe aber intakt sind. Opfer von Herzinfarkten, von natürlichen Todesursachen und anderen sind daher meist von einer Organentnahme ausgeschlossen.

Von Maja Yüce und Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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