Kühe, die sich wohl fühlen, sind produktiver – moderne Technik und Ställe helfen

Mehr Milch dank Komfort

So liegt es sich bequem: Zwölf bis 14 Stunden möchte die Kuh ruhen, wobei sie bis zu 20-mal in dieser Zeit aufsteht. In den Ruhephasen wird intensiver wiedergekäut, und es fließt bis zu 30 Prozent mehr Blut durchs Euter. Das Ergebnis: mehr Milch. Auf dem Foto Milchkühe der Rassen Schwarzbunte und Rotbunte im Stall von Heidi und Marc Golomb in Schwarzenborn. Fotos:  Müller-Neumann (3) /privat

Schwalm-Eder. Riviera ist Milchproduzentin, eine der Besten. Täglich beglückt sie Heidi und Marc Golomb in Schwarzenborn mit etwa 60 Litern Milch. Riviera und ihre 136 Artgenossinnen leben in einem modernen Boxenlaufstall, der ganz auf den Kuhkomfort ausgerichtet ist. Denn: Je wohler sich die Kühe fühlen, desto mehr Milch geben sie.

Als Golombs vor zehn Jahren den neuen Stall gebaut hatten, stellten sie fest: Die Milchleitung pro Kuh stieg im ersten Jahr um 1000 Liter. Gleichzeitig wurde auch Maissilage zusätzlich gefüttert. Beides zusammen ergab die deutliche Steigerung.

Dabei hatten es die ältesten Kühe – derzeit ist das die 13-jährige Espania, die inzwischen elf Kälbern das Leben schenkte – schon vorher nicht schlecht in ihrem 1987 gebauten Boxenlaufstall. Doch der hatte zum einen einen engeren Laufgang mit Spaltenboden, zum anderen waren die alten Liegeboxen zu kurz. Es waren so genannte Hochboxen, die den Kühen beim Aufstellen keinen Halt für die Hinterbeine boten: Sie rutschten weg.

„Beim Neubau haben wir bewusst auf Kuhkomfort geachtet.“

Heidi Golomb

„Die Kühe sind größer geworden“, sagt die Landwirtin, und: „Beim Neubau haben wir bewusst auf Kuhkomfort geachtet.“ Bei den Tiefboxen liegen die Kühe in einer mit Streu gefüllten Mulde, wo sie sich beim Aufstehen abstützen können.

Eine Gummimatte im Laufgang, der breit genug ist, dass sich die Kühe stressfrei aneinander vorbei bewegen können, bietet den Füßen Halt. Mehrmals täglich fährt der Mistschieber durch und räumt die Kuhfladen fort.

Viel frische Luft

Vier Meter hohe Außenwände mit Rollos lassen sommers wie winters frische Luft in den Stall, den die Kühe mit ihrer Körpertemperatur ohnehin erwärmen. Die extrem heißen Tage in diesem Sommer haben bei Heidi und Marc Golomb allerdings den Entschluss reifen lassen, Ventilatoren einzubauen. Die Kühe litten trotz der Höhe des Stalls und offenem First unter den Temperaturen. Und Hitzestress führt zu sinkender Milchproduktion.

Selbstständig zum Melken

Im Allgemeinen gehen Riviera, Espania und all die anderen zwei bis dreimal binnen 24 Stunden zum Melken, wann immer es sie danach drängt, sich vom Melkroboter die Milch abmelken zu lassen. Der Computer registriert die Kuh, Bürsten säubern das Euter, die erste Milch wird separiert und kontrolliert. Gibt es keine Anzeichen zum Beispiel für einer Euterentzündung, fließt die Milch in den Tank. Ansonsten wird sie aussortiert. Dass die Kühe der Rassen Schwarzbunte (die Mehrzahl), einige Rotbunte und etwas Fleckvieh mehr Milch geben als in einem Stall, in dem sie sich nicht so wohl fühlen würden, liegt an dem Komfort, den sie genießen.

Dazu gehören auch die Massage- und Reinigungsbürsten. Aber, so hat Heidi Golomb festgestellt, sie leiden weniger unter Juckreiz und gehen seltener an die Bürsten, wenn sie gegen saugende Insekten behandelt werden. Das geschieht, wenn die Kühe kurz vor dem Abkalben trocken stehen, also keine Milch produzieren. „Das hält dann etwa ein Jahr an“, sagt die Landwirtin, die sich zusammen mit ihrem Mann nicht nur um die 137 Milchkühe, sondern auch um deren 140 Nachkommen kümmert.

Von Brigitte Müller-Neumann

Quelle: HNA

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