"Mehr Transparenz ist nötig"

Stromtrasse Südlink: Großer Zuspruch bei Bürgerversammlung in Neukirchen

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Bürgerversammlung: Zahlreiche Besucher kamen in den Rathaussaal von Neukirchen, um sich über die geplante Hochspannungsleitung zu informieren.

Neukirchen. Lebhaft diskutiert wurde am Freitagabend in einer dreistündigen Bürgerversammlung zur geplanten Stromtrasse Südlink in Neukirchen.

Seit Oktober ist klar, dass eine der 98 Alternativrouten - die in Neukirchen trägt die Nummer 31 - auch die Knüllstadt sowie Ortsteile betreffen könnte.

Stadtverordnetenvorsteher Willi Berg hatte zum Thema die Referenten Jürgen Jurgilewitsch, Vorsitzender der Bürgerinitiative Lebenswertes Knüllwald, Ralf Apel vom Forstamt Neukirchen, Bernd Herbold, Sprecher der Bürgerinitiative Hessen gegen Südlink und Neuensteins Bürgermeister Walter Glänzer (CDU), Sprecher von 53 Kommunen gegen Südlink in Hessen und Baden-Württemberg, eingeladen. Etwa 90 Besucher hörten konzentriert zu und stellten detaillierte Fragen.

Bernd Herbold, Sprecher der Bürgerinitiative Hessen gegen Südlink

Herbold ermutigte die Menschen, die 20. Bürgerinitiative zu gründen. Hierfür wurden Unterschriften gesammelt und Willi Berg zum Sprecher ernannt. Jurgilewitsch erklärte, warum die Trasse seiner Meinung nach überflüssig sei: „Nur etwa 20 Prozent des Stroms, der durchfließen würde, wird über Windenergie produziert.“ Das Argument, dass die Industrie Strom brauche, sei Unsinn. „Große Konzerne haben heute ihre eigenen Kraftwerke.“ 

Walter Glänzer, Kritiker der Stromtrasse von der ersten Stunde an, machte klar: „Was wir brauchen, sind Speicher. Die Netze, die gebaut würden, würden niemals ausgelastet - maximal zu 30 Prozent.“ Herbold erklärte: „Wir, das sind bislang 19 Bürgerinitiativen, sind nicht gegen die Energiewende. Aber wir wollen einen neutral geprüften und transparenten Bedarfsplan. Ich kann hier nicht von Planung reden - ich muss hier von Tolpatschigkeit reden.“ Die veröffentlichten Alternativen glichen einem „Trassen-Wirrwarr“.

Als „erschreckend“ beschrieb Herbold die Ahnungslosigkeit der Bundestagsabgeordneten: „Von 631 haben gerade einmal 33 eine Petition gegen den Südlink unterschieben.“

Der Homberger klärte auch über mögliche Gefahren auf: „Das Problem ist die Ionisierung - hierbei setzen sich Partikel an den Leitungen ab, die messbar Lungenerkrankungen und Kinderleukämie fördern.“ Weiterhin würde von Tennet kommuniziert, dass eine Erdverkabelung erhebliche Mehrkosten verursachen würde: „Das ist ein Märchen - die Verträge mit den Stahlbauern sind längst geschlossen“, sagte Herbold.

System ist nicht erprobt

Das System, das verbaut werden würde, sehe zwei Mal eine 500 000-Volt-Leitung vor. „Das System ist alles andere als erprobt - bis jetzt gibt es das nur in China und Sibirien“, verdeutlichte Glänzer.

Ralf Apel von Hessenforst machte deutlich, wie stark der Bau die Waldflächen beeinträchtigen würde. „Bei 80 Metern Trassenbreite verlieren wir pro 1000 Meter ein Fußballfeld.“ 4000 Hektar seien derzeit in der Planung.

„Wirtschaftlichkeit kann nicht das erste Gebot sein - es geht in erster Linie um die Gesundheit von Mensch und Tier und um den Erhalt der Natur“, war sich das Podium in Neukirchen einig.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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