Gründung einer kreisweiten Selbsthilfegruppe

Meine, deine, unsere Kinder - Patchworkfamilien werden immer häufiger

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Aus zwei Familien wurde eine: Die Patchwork-Familie Weissing-Krausmüller aus Uttershausen mit Lena Krausmüller (von links), Marlon Weissing, Mario Weissing, Anna Weissing, Gerd Krausmüller und Anke Weissing-Krausmüller.

Schwalm-Eder. Nur selten ist die Familie Weissing/Krausmüller komplett. Die Patchworkfamilie aus Uttershausen besteht aus sieben Mitgliedern. Anke und Mario Weissing lernten sich 1994 kennen.

Anke (damals Krausmüller) brachte ihre Kinder Lena (heute 20) und Gerd (24) mit in die Beziehung, Mario Weissing seinen Sohn Dominik (20). Später bekam das Paar noch zwei gemeinsame Kinder: Anna (8) und Marlon (5). Immer mehr Frauen, Männer und Kinder leben heute wie die Weissing-Krausmüllers in einer Patchworkfamilie.

Patchwork, das ist eine Familie, bei der mindestens ein Elternteil ein Kind aus einer früheren Beziehung in die neue Familie miteingebracht hat. Mit einem Anteil von 13,6 Prozent ist sie heute die dritthäufigste Familienform in Deutschland, nach der Kernfamilie und Alleinerziehenden.

Neue Selbsthilfegruppe

Doch mit neuen Familienformen entstehen auch neue Probleme. Am heutigen Donnerstag findet deshalb im Familienzentrum Fritzlar eine Veranstaltung zum Thema "Abenteuer Patchwork" statt. Die Veranstaltung ist auch der Start für eine kreisweite Selbsthilfegruppe. Clelia Gerhard-Wiesemann, Sozialpädagogin beim Diakonischen Werk im Schwalm-Eder-Kreis, wird bei der Veranstaltung referieren. "Eine große Herausforderung ist der Umgang mit den leiblichen und sozialen Eltern", sagt Gerhard-Wiesemann.

Klare Rollen, Beziehungen, Grenzen und Regeln seien deswegen sehr wichtig. Und jeder müsse einen festen und sicheren Platz in der neuen Familie haben. "Schwer wird es immer, wenn der neue Partner die Rolle des anderen Elterteils übernehmen will oder soll. Dann gibt es meistens Krach." Den gab es auch bei den Weissing-Krausmüllers. "Die schlimmste Zeit war, als die Kinder in der Pubertät steckten", da sind sich Anke und Mario Weissing einig. "Wären wir erst zu dieser Zeit zusammengekommen, unser Patchworkprojekt wäre gescheitert", sagt Anke Weissing.

So waren die Kinder erst drei bis sechs Jahre alt und sind in die Familie hineingewachsen. "Als Teenager habe ich mich mit Mario richtig gefetzt", sagt Lena Krausmüller. "Und natürlich flogen da auch die typischen Sätze, wie, du bist nicht mein Vater, du hast mir gar nichts zu sagen."

Auch die Drohung, "Ich ziehe zu meinem Papa", hörte Mario Weissing oft von seiner Stieftochter. "Die Pubertät ist einfach eine Trotzphase. Da muss man durch", sagt Mario. Lena möchte ihre Patchworkfamilie nicht mehr hergeben. "Die riesige Familie ist das schönste", sagt Lena Krausmüller. "Ich habe neue Geschwister hinzubekommen."

Noch nicht anerkannt

Die Patchworkfamilie sei auch heute noch gesellschaftlich nicht richtig anerkannt, sagt Clelia Gerhard-Wiesemann. In den Köpfen herrsche nach wie vor das Bild von der herkömmlichen Kernfamilie vor. Das haben auch die Weissing-Krausmüllers gemerkt. "Die Leute haben damals getuschelt", sagt Mario Weissing. "Was will er denn mit einer Frau, die schon zwei Kinder hat, hieß es da." Auch wenn es Probleme, Streit und Eifersucht gab, die Weissing-Krausmüllers fühlen sich nur zu siebt komplett. Da ist sich die ganze Familie einig.

Termin: Donnerstag, 1. September, 20 Uhr, Familienzentrum Fritzlar, Hellenweg 12

Von Heike Wagner

Quelle: HNA

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