Die meisten Schulen verbieten Mobiltelefone

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An immer mehr Schulen muss das Handy in der Tasche oder sogar ganz zuhause bleiben.

Schwalm-Eder. An immer mehr Schulen muss das Handy in der Tasche oder sogar ganz zuhause bleiben. Das ergab eine Anfrage der HNA bei zehn Schulen im Schwalm-Eder-Kreis.

Während des Unterrichts muss das Mobiltelefon überall ausgeschaltet oder lautlos bleiben. An sechs Schulen gilt darüber hinaus ein absolutes Verbot: Wer auf dem Schulgelände beim Versenden von SMS oder beim Telefonieren erwischt wird, muss sein Handy in der Regel abgeben.

Waltraud Credé, Leiterin des Staatlichen Schulamts für die Kreise Schwalm-Eder und Waldeck-Frankenberg, sagt, dass es keine landesweiten Vorgaben gebe: „Jede Schule kann selbst entscheiden, wie sie mit Handys umgeht.“ So sei ein generelles Verbot möglich, allerdings könne es sich auch auf bestimmte Klassen oder Klassenstufen beschränken. In der Schulordnung werden entsprechende Regelungen festgelegt. Auch bei der Ahndung von Verstößen gibt es einen gewissen Spielraum. Im hessischen Schulgesetz heißt es unter Paragraph 82: „Die Erfüllung des Bildungsauftrages der Schule ist vor allem durch pädagogische Maßnahmen zu gewährleisten (...).“

Zu diesen gehörten „die zeitweise Wegnahme von Gegenständen, die den Unterricht oder die Ordnung der Schule stören oder stören können.“ Eine Anfrage beim Hessischen Kultusministerium ergab, dass weggenommene Gegenstände in der Regel am Ende des Unterrichtstages zurück gegeben werden sollen. Nur bei besonderen Umständen sei im Einzelfall auch eine mehrtägige Einbehaltung gerechtfertigt, heißt es. An der König-Heinrich-Schule in Fritzlar müssen Schüler zum Beispiel oft mehrere Tage auf ihre Handys warten. Schulleiter Dr. Ulrich von Nathusius sagt, dass jeweils zum kommenden Montag die Telefone zurückgegeben würden. Durch das Verbot solle die Aufmerksamkeit der Schüler auf den Unterricht gelenkt werden. (joc)

Die Regelung an den einzelnen Schulen

Schwalmgymnasium

 Treysa Am Schwalmgymnasium ist die Nutzung grundsätzlich nicht verboten, sagt Schulleiter Dr. Helmut Bernsmeier. Während der Pausen dürften die Schüler telefonieren und SMS verschicken. Während des Unterrichts seien die Telefone jedoch tabu. „Wird jemand erwischt, dann kassieren die Lehrer die Geräte ein, die Eltern werden benachrichtigt und können sie abholen“, erzählt Bernsmeier. Er findet das Vorgehen seiner Schule liberal und berichtet, dass das pro Halbjahr nur etwa fünf Mal vorkomme.

Carl-Bantzer-Schule Schwalmstadt

An der Carl-Bantzer-Schule wurde erst vor kurzem die Schulordnung geändert. Heidrun Elborg, stellvertretende Schulleiterin, erzählt, dass vom Betreten bis zum Verlassen der Schule der Gebrauch von Mobilfunktelefonen verboten sei. Obwohl man sich noch in der Übergangsphase befinde, würden kaum noch Handys eingesammelt. Die könnten sich die Schüler mittags dann wieder abholen.

Berufliche Schulen Schwalmstadt

An den Beruflichen Schulen Schwalmstadt ist die Benutzung von Handys während des Unterrichts offiziell per Hausordnung verboten. „Wer sich daran nicht hält, der muss damit rechnen, dass ihm das Telefon abgenommen wird“, sagt Schulleiter Karl Weinreich. Rechtlich sei man ja abgesichert. Allerdings komme es immer seltener vor, dass jemand vorbeikommen müsse, um sich sein Telefon zurückzuholen.

Schule im Ostergrund Treysa

An der Schule im Ostergrund gilt seit zwei Jahren ein absolutes Handy-Verbot, sagt Jochen Helwig, stellvertretender Schulleiter: „Wir gehen sogar noch einen Schritt weiter und verbieten alle elektronischen Geräte.“ So sei es auf dem Schulgelände auch verboten, Musik über MP3-Spieler und ähnliches zu hören. „Wird jemand erwischt, dann sammeln wir die Sachen ein“, sagt Helwig. Nach einer bestimmten Frist von ein paar Tagen könnte ein Erziehungsberechtiger dann vorbeikommen und das Gerät abholen. „Die Eltern wissen über unser Vorgehen Bescheid“, sagt der Schulleiter. Er rechtfertigt die konsquente Handhabung mit einer einheitlichen Linie, die die Schule verfolgen wolle.

Burgsitzschule Spangenberg

 An der Burgsitzschule Spangenberg hat man im vergangenen Jahr reagiert, sagt Leiterin Sieglinde Strieder: „Die Schüler haben sich in den Pausen kaum noch unterhalten und lieber SMS geschickt. Darunter hätten die sozialen Kontakte gelitten.“ Deshalb gelte seit einigen Monaten nun ein Handy-Verbot zur Unterrichtszeit.

Anne-Frank-Schule Fritzlar

Seit zwei Jahren gilt an der Anne-Frank-Schule ein generelles Handyverbot. Grund für die Entscheidung sei damals eine Informations-Veranstaltung der Polizei über Medien gewesen, sagt Schulleiter Berthold Umbach. Diese hätte bei den Eltern zu Diskussionen und schließlich dem Verbot geführt. Auf dem gesamten Schulgelände ist das Benutzen eines Mobiltelefons jetzt verboten.

Wer erwischt wird, dem drohe je nach Art des Missbrauchs ein Entzug bis zum Ende des Schultages oder ein pädagogisches Gespräch mit den Erziehungsberechtigten in der Schule.

Theodor-Heuss-Schule Homberg

Die Theodor-Heuss-Schule in Homberg hat vor drei oder vier Jahren eine Verhaltensregel aufgestellt, sagt Herbert Grimme, stellvertretender Leiter. Während des Unterrichts müssten die Telefone stumm oder ausgeschaltet und in der Tasche bleiben. In den Pausen sei der Gebrauch jedoch erlaubt. „Ein Handy-Problem haben wir eigentlich nicht“, berichtet Grimme. Wer erwischt werde, könne sich das Telefon nach der sechsten Stunde wieder abholen.

Geschwister-Scholl-Schule Melsungen

An der Geschwister-Scholl-Schule Melsungen hat man keine Probleme mit Handys. „Unsere Schüler werden ja hier erwachsen und selbstständig“, sagt Schulleiter Dr. Reinhard Köhler. Ein allgemeines Verbot gebe es daher nicht. Allerdings sei natürlich nicht gestattet, während des Unterrichts zu telefonieren oder SMS zu verschicken. Nur vor dem schriftlichen Abitur würden die Geräte eingesammelt.

Christophorusschule Bad Zwesten

Günter Koch, Realschulleiter an der Christophorusschule in Oberurff, Bad Zwesten, sagt, dass man vor mehr als zwei Jahren ein Verbot aussprechen musste: „Ursprünglich hatten wir Handys erlaubt.“ Als sich die Missbrauchsfälle jedoch häuften und junge Schüler mit Gewalt auf dem Bildschirm konfrontiert wurden, sei die Entscheidung für ein Verbot gefallen. „Erst haben wir an die Schüler appelliert“, erzählt Koch. Weil das nichts nützte, sei der Konferenzbeschluss gefallen. Bei einem Verstoß würde das Telefon einkassiert und im Wiederholungsfall nur an die Erziehungsberechtigten ausgegeben.

König-Heinrich-Schule Fritzlar

 An der König-Heinrich-Schule in Fritzlar müssen die Schüler bis zu sieben Tage auf ihre einkassierten Telefone warten. Dr. Ulrich von Nathusius sagt, dass ein Verbot schon seit vielen Jahren gelte. „Wir wollen die ungeteilte Aufmerksamkeit der Schüler auf den Unterricht lenken“, erzählt er. Auch in den Pausen sei das Telefonieren im Gebäude nicht gestattet. Weil das Schulgelände jedoch groß sei, gebe es durchaus auch Plätze, an denen die Schüler telefonieren könnten. Wer jedoch gegen die Regeln verstoße, der müsse sein Telefon bis zum kommenden Montag abgeben. (joc)

Quelle: HNA

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