Badesalzhälfte Henni Nachtsheim hatte großen Auftritt im Kulturladen Wolfhagen

Der Meister des Zutextens

Babbeln „wie de Chef“: Badesalz-Hälfte Henni Nachtsheim begeistert auch solo im Kulturladen. Foto: Hoffmann

Wolfhagen. Es ist schon ein wenig verwunderlich. Da kommt einer der erfolgreichsten Comedians des Landes nach Wolfhagen, und der Kulturladen ist gerade einmal zur Hälfte gefüllt. Vielleicht liegt es daran, dass sein Name noch nicht so bekannt ist wie der des Erfolgs-Duos, mit dem er ansonsten große Hallen und im vergangenen Jahr auch das Wolfhager Kulturzelt gefüllt hat. Henni Nachtsheim ist eine Hälfte von Badesalz und mit seinem Soloprogramm „Den Schal enger schnallen und in die Ohren spucken!“ nicht minder witzig. Ganz im Gegenteil. Er scheint es zu genießen, allein im Rampenlicht zu stehen, ohne Rücksicht auf Kollegen Gerd Knebel drauf los babbeln.

Das tat er am Freitagabend mit Bravour und hatte bereits ein Feuerwerk an Gags hinter sich, als er nach 20 Minuten ankündigte, endlich sein Programm beginnen zu wollen. Seiner „Lesung ohne Lesen“ dient sein Buch als Grundlage, in dem der bekennende Eintracht-Fan seine besten Kolumnen veröffentlicht hat. Einst für verschiedene Zeitungen verfasst, hatten sich die Belegexemplare der Verlage auf seiner Fensterbank derart gestapelt, dass keine Sonne mehr reinkam, er am Schreibtisch im Dunkeln saß. Einfach wegwerfen wollte er sie nicht, in einem Ordner abheften war ihm zu simpel, also bündelte er sie in einem Büchlein und genießt nun wieder das Arbeiten im Licht der Sonne. Das tut ihm gut, zumindest seiner Kreativität, denn die Show zum Kolumnenschmöker ist ein echter Hit.

Nebenschauplätze im Sport

Einfach vorlesen, das ist dem bekennenden Schlecht-Leser Nachtsheim zu wenig, der sein Publikum lieber „zutextet“, wie er es selber nennt. Rund um sein Lieblingsthema Fußball sollte es sich da drehen, wobei sich „rund“ als dehnbarer Begriff entpuppte. Die zahlreichen Nebenschauplätze des Sports sind es, die einen großen Schatz an Kuriosem bieten. Schön die Anekdote, wie die Macher eines Freizeitkicker-Turniers Nachtheims Namen für Werbung missbrauchten und ohne seine Anwesenheit die Party in den Sand setzten. Wahr gewesen sein soll die Story vom nächtlichen Nackt-Fahrrad-Turnier rund um die Neu-Isenburger Kultkneipe „Schoppe-Klopper“, in der Henni nach einem Auftritt nur noch einen Äppelwoi trinken wollte, kein Bier, schließlich ist er bekennender Hesse. Das kommt ihm im Gespräch mit einem Engel zugute, das den seidenen Faden des Programms bildete. Denn auch der Gast aus dem Himmel babbelt Dialekt, „weil die da oben alle babbeln müsse wie de Chef“.

Quelle: HNA

Kommentare