Prof. Wolfgang Manz spielte die 24 Chopin-Etüden opus 10 und opus 25 im Kurhaus

Der Meisterbrief des Pianisten

Atemberaubende Klaviermusik: Prof. Wolfgang Manz spielte im Bad Zwestener Kurhaus mit den 24 Etüden op. 10 und op. 25 von Frédéric Chopin im Bad Zwestener Kurhaus. Foto: Auerbach

Bad Zwesten. Pianistischen Hochglanz entfaltete Wolfgang Manz auf dem Bechstein-Flügel mit seiner Interpretation der Etüden op. 10 (1829 bis 1832) und op. 25 (1832 bis 1835) von Frédéric Chopin. Im Kurhaus von Bad Zwesten vermittelte der Professor für Klavier an der Hochschule für Musik in Nürnberg mit seinem Vortrag ein tiefes Verständnis für die Musik des großen Polen.

Hochkonzentriert und abgeklärt spielte der Pianist die 24 virtuosen musikalischen Miniaturen. Er agierte kraftvoll, gleichzeitig nuanciert im Ausdruck und Anschlag sowie mit einer unglaublichen Fingerfertigkeit.

Vor knapp 200 Jahren bewies Chopin mit seinen zwei bis vier Minuten langen Kunstwerken nicht nur seine außergewöhnliche Meisterschaft als Musikschöpfer und Pianist. Seine Kompositionen eröffneten eine neue, vorher unbekannte pianistische Ausdruckswelt und beeinflussten die nachfolgenden Generationen. Harenbergs Klaviermusikführer bringt die Bedeutung der Stücke auf den Punkt: „Die Chopin-Etüden sind in gewisser Hinsicht für den Pianisten, was für Geiger die Paganini-Capricen sind: Meisterbrief und Ritterschlag.“

Ganz offensiv stieg Manz in das Konzert ein. Gleich die erste Etüde in C-Dur, in der manche Ähnlichkeit zur barocken Musikwelt des großen J.S. Bachs anklang, ließ er zu einem musikalischen Hochgenuss werden. Während die linke Hand den markanten Bass beherrschte, sprintete die rechte Hand mit rasant auf- und absteigenden Tonketten so über die Tastatur, dass man glauben konnte, sie habe mehr als nur fünf Finger.

Liedhafte Poesie, Zärtlichkeit und eine eigenartige Erregung im Mittelteil bestimmten die dritte Etüde in E-Dur. Und dann folgte, in grellem Kontrast und wie ein Vulkanausbruch, die atemberaubende vierte Etüde in cis-Moll. Produziert nicht mit feinsinnigem Spiel, sondern in einem faszinierenden, schier diabolischen Tanz der Hände auf den Tasten.

Zwanzig technische und musikalische Herausforderungen später ging Wolfgang Manz mit der überwältigenden, in strahlendem C-Dur ausklingenden letzten Etüde c-Moll op. 25 Nr. 12 noch so athletisch um, als stünde er am Anfang und nicht am Ende des Konzerts. Den herzlichen Applaus des Publikums belohnte der Pianist mit dem melodischen Larghetto Fis-Dur aus op. 15.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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