Metzger Konrad Sinning aus Beiseförth war als Senior-Experte in Usbekistan

Meisters Magen im Streik

Beiseförth. Konrad Sinning aus Beiseförth sitzt gerne auf gepackten Koffern. Immer wieder gibt der Fleischermeister sein Wissen als Senior-Experte an Kollegen in fernen Ländern weiter. Jetzt kehrte der 71-Jährige aus Usbekistan zurück.

„So in eine andere Kultur einzutauchen ist fantastisch“, berichtete der Fleischermeister von seinem mehrwöchigen Aufenthalt in der Hauptstadt Taschkent. Fremdartig sei es gewesen, wie in einer Erzählung aus Tausendundeiner Nacht. Auf Märkten mit Obst, Gemüse und Gewürzen habe er eine Geruchsvielfalt wie noch nie erlebt. Und dann das Leben auf der Straße: Verkaufsstände direkt am fließenden Straßenverkehr, Hochzeiten im Freien mit bis zu 500 Leuten, Hunderte von Betenden in den Moscheen.

„Ich sollte den Wurstgeschmack verbessern, das war aber nicht möglich.“

Konrad Sinning

Hatte der Beiseförther in der Vergangenheit in Ländern wie Argentinien, Russland, Vietnam und der Mongolei seinen Kollegen Finessen rund um die Fleischherstellung gezeigt, ging es diesmal in einer Fleischfabrik mit 30 Beschäftigten ausschließlich um die Wurst: „Ich sollte den Geschmack verbessern, das war aber nicht möglich.“

Wie das? Am hervorragenden Rindfleisch der Usbeken lag es jedenfalls nicht, berichtet Sinning. Eher am Rezept: Um die Fabrikwurst – immerhin drei Tonnen pro Tag – günstig anbieten zu können, verwursteten die Kollegen in Zentralasien 15 Prozent Fleisch und stopften Kartoffelstärke, Wasser, Sojamehl und vieles mehr nach, wobei der Beiseförther über die exakte Rezeptur schweigt. Den Kampf gegen die Billigproduktion nahm Sinning mit mehr Fleisch auf: 60 Kilogramm Wurst fertigte der 71-Jährige mit 80-prozentigem Fleischanteil – die Wurst schmeckte den Angestellten so gut, dass keine einzige die Fabrik verließ. Nur: Alles, was Sinning in Taschkent erreichte, war die gute Absicht seiner Kollegen, bei einem Teil der Produktion künftig einmal einen höheren Fleischanteil zuzulassen und eine Vermarktung bei den Wohlhabenden zu testen.

Sinning selbst ist das Essen in der Fremde gar nicht gut bekommen. Jeden Tag Suppe – „mein Magen hat’s nicht geschafft“, sagt Sinning, der innerhalb von zwei Wochen Fabrikarbeit fünf Kilo abnahm, immer schwächer wurde und am Ende eine Woche lang in einer Privatklinik verbrachte, um wieder zu Kräften zu kommen, weshalb er einen Folgeeinsatz in der Karibik absagen musste.

Ehrenamtlich und für ein Taschengeld war der 71-Jährige in Taschkent. Die Reisekosten und das Hotel zahlte der Senior-Experten-Service. Für den war der gebürtige Malsfelder bereits in zehn Ländern unterwegs. Nie hätte der Beiseförther die Reisen als normaler Tourist aus der eigenen Tasche zahlen können.

Auf die Idee, seine Erfahrungen als Fleischermeister weiterzugeben, kam Sinning 1996. Damals stieg er als Senior-Experte ein und bekam gleich einen Einsatz in Weißrussland angeboten, weitere folgten fast jedes Jahr. Mehrmals begleitete ihn seine Frau Ria, die nach dem Klinikaufenthalt ihres Mannes in Usbekistan das nächste Mal wieder mitkommt. Trotz der Weltreisen ist Sinning mit Malsfeld tief verbunden. Viele Jahre hatte er in Beiseförth eine Fleischerei. Dort war und ist seine Heimat. (lgr) HINTERGRUND

Quelle: HNA

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