Melsungen mal tausend

An Weihnachten weit weg von daheim: Indranil Mukherjee aus Indien arbeitet bei B.Braun

Auf der anderen Seite vom Globus: Indranil Mukherjee zeigt auf sein Heimatland Indien. Weihnachten ist dort unter anderem wegen der britischen Vergangenheit bekannt. Außerdem leben in Indien mehr als 25 Millioenen Christen, sodass das Fest Vielen auch aus religiösen Gründen vertraut ist. Gefeiert wird dort allerdings etwas lauter als in Deutschland. Foto: Maier

Melsungen. Still, gemütlich, im engsten Familienkreis: All das ist Weihnachten in Indien nicht. Wie jedes Fest auf dem Subkontinent ähnelt es mehr dem Karneval. Und auch im restlichen Jahr ist das Leben dort schneller, lauter, ungeordneter als in Deutschland.

So beschreibt Indranil Mukherjee die Unterschiede zu seinem Heimatland. Der 40-Jährige arbeitet für einige Jahre bei B.Braun in Melsungen. An das beschauliche Leben und die noch beschaulicheren Feste musste er sich erst gewöhnen.

Indranil Mukherjee kommt aus Mumbai. Mit 15 Millionen Einwohnern leben in dieser Großstadt etwa tausend Mal so viele Menschen wie in Melsungen. Es gibt unterschiedliche Sprachen und Religionen, Menschen leben in losem Gewirr zusammen. In Deutschland hingegen sei alles organisiert, es gebe für alles eine Regel, die befolgt wird.

Ein Beispiel: Eine Baustelle an der B 83 in der Nähe des Firmengeländes von B.Braun. Die Autofahrer haben ihre feste Route und ärgern sich, wenn sie dort im Stau stehen, beobachtete Mukherjee. In Indien würden sie stattdessen sagen: „Stau? Na und?“. Oder es gar nicht erst dazu kommen lassen, weil sie immer eine unterschiedliche Route fahren.

Er und seine Frau haben sich an den deutschen Lebensstil gewöhnt. Ihre Freunde daheim scherzen schon, sie seien zu Europäern geworden.

In den ersten beiden Jahren waren sie an fast jedem Wochenende unterwegs in Deutschland. Ihr Fazit: „Deutsche sind freundlich und hilfsbereit. Aber sie brauchen eine Weile, um sich zu öffnen.“

Doch Freundschaft ist nicht gleich Freundschaft: Es gibt Grenzen zwischen Beruf und Privatleben, beschreibt Mukherjee. „Ich habe sehr gute Beziehungen zu vielen Kollegen. Aber die Beziehung hört an der Bürotür auf.“ In Asien hingegen springt berufliche Freundschaft auch aufs Privatleben über.

Mukherjee lebt mit Frau und Sohn seit 2010 in Melsungen. Im Januar kamen sie damals an. „Wir verließen Mumbai bei 35 Grad. In Frankfurt hatten wir minus drei Grad und fünf Zentimeter Schnee.“ Sein Sohn war damals zwei Jahre alt. Er war vollkommen erstaunt und hat sich gefragt, wo er ist. Mukherjee war davor schon einige Male auf geschäftlichen Treffen in Deutschland. Viel gesehen hat er dabei von dem Land nicht. Ein Termin folgte auf den nächsten. „Wenn du aber hier leben willst, musst du dich in die Kultur integrieren. Es war etwas völlig Neues.“

Weihnachten hingegen war ihm vertraut. Indien war eine britische Kolonie, das Fest sei dort in vielen Regionen bekannt.

Die Feiertage will Mukherjee in Köln verbringen. Im engen Familienkreis. Typisch deutsch eben.

Quelle: HNA

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