Melsungens Behindertenbeauftragter Robert Weck kennt viele kritische Stellen

Melsungen. „In Geschäften, in die ich mit dem Rollstuhl nicht hineinkomme, kaufe ich eben auch nicht ein“, sagt Melsungens Behindertenbeauftragter Robert Weck. Seit einem Unfall vor neun Jahren ist er auf den Rollstuhl angewiesen.

Seit genau vier Jahren ist er der städtische Behindertenbeauftragte und erinnert die Politiker immer wieder daran, wo es in der Stadt noch Hindernisse gibt.

Er bewertet die Situation in der Stadt aus Sicht eines Rollstuhlfahrers zwar als „insgesamt gut“, doch gibt es noch viel zu tun, um das Leben für Menschen mit Rollstuhl oder Rollator zu erleichtern und auch ein Stück sicherer zu machen. Straßen und Geschäfte: Als erstes fällt ihm da der Zebrastreifen an der Kreuzung Rotenburger Straße/Obere Mauergasse ein. Ein echter Problempunkt: Von der Fußgängerzone her kommend fällt der Bürgersteig zur Fahrbahn hin deutlich ab, der Rollstuhl muss abgebremst werden. Noch schlimmer: Beim Rauffahren ist die Gefahr noch größer, denn der Rolli muss mit Schwung über den abgesenkten aber nicht ganz flachen Bordstein kommen. Weck: „Der Rollstuhl kippt beim Rauffahren.“ Die schlimmste Folge: Ein Sturz nach hinten, und der Kopf schlägt auf der Straße auf.

Eine Lösung für diese innerstädtische Problemstelle hat aber auch Weck nicht parat. „Auf der Stadthallenseite ist der Bürgersteig zwar nicht abschüssig, und das wäre besser, aber er ist an der Ecke des Wohn- und Geschäftshauses zu schmal.“

Bürgersteige

Doch es gibt auch gute Bespiele. Inzwischen haben viele Geschäfte einen ebenerdigen Eingang ohne jegliche Stufe. Und in der Stadt wurden an vielen Stellen die Bordsteine weggenommen und durch kleine weiße Mini-Rampen ersetzt. Das freut Weck und die anderen Rollstuhlfahrer, von denen es nach seinen Angaben etwa 50 in der Stadt gibt. Und es freut ihn auch, dass die Stadt vor knapp zwei Jahren seine Idee umgesetzt hat.

Treppen sind das nächste große Problem. Manche Stiege zum Arzt baut sich wie eine Mauer auf und ist selbst mit Hilfe nicht zu bewältigen. Wecks Hausarzt hat zum Glück einen ebenerdigen Eingang und einen Fahrstuhl. „Doch zu den Fachärzten muss ich zum Beispiel nach Kassel fahren“, bedauert der 65-Jährige. Toiletten: Unbefriedigend findet Weck nach wie vor die Toiletten--Situation in der Stadt. Die Behinderten-Toilette an der Bushaltestelle am Sand ist für Besucher der Innenstadt zu weit weg. „Bis ich da bin, kann es schon zu spät sein“, weiß der Rollstuhlfahrer, er auch gerne mal das Weinfest besucht. Besser wäre eine Behinderten-Toilette am Rathaus. Die will die Stadt zwar bauen, doch wann ist noch unklar. Bürgermeister Dieter Runzheimer: „Der Anbau muss dafür vergrößert werden.“

Schön fände es Robert Weck auch, wenn bei Festen, etwa im Schlosspark in schnell erreichbarer Nähe eine mobile Behindertentoilette aufgestellt würde.

Und ganz unzufrieden ist er mit der Toiletten-Situation auf dem Neuen Friedhof am Huberg. Weit und breit kein stilles Örtchen, das den Erfordernissen eines Rollstuhlfahrers gerecht würde. Seine Idee: Die Wand zwischen Damen- und Herrentoilette herausnehmen: Dann wäre genügend Platz. Obwohl er den Vorschlag schon im Herbst im Sozialausschuss gemacht hat, ist der Wunsch bei der Stadtverwaltung noch nicht angekommen.

Doch Weck wird im Interesse der behinderten Menschen, die er vertritt, nicht lockerlassen. „Aber“, sagt er, „man muss realistisch bleiben.“

Quelle: HNA

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