Melsungens Original und Ur-Hesse Justus Riemenschneider zum Geburtstag Hessens

Für jeden Spaß zu haben: Bernd Köhler alias Justus Riemenschneider aus Schwarzenberg las für uns schon die Weihnachtsgeschichte auf Nordhessisch, jetzt macht er sich Gedanken zum 70. Geburtstag unseres Bundeslandes. Archivfoto: Dewert

Melsungen. Zum runden Geburtstag der Hessen hat sich Justus Riemenschneider so seine Gedanken gemacht.

Herr Riemenschneider, Sie sind ja bekennender Hesse ...

Riemenschneider: Halt, mein Lieber. So ja nu nid. Ich bin Nordhesse.

Na gut, dann anders gefragt. Sie sind 72 Jahre und können sich bestimmt an die Gründung unseres schönen Bundeslandes erinnern?

Riemenschneider: Ja sicher, zu so einer großen Feier haben alle den Streuselkuchen in den Muckefuck geduckt. Meine Glückwünsche sind heute aber um so herzlicher. Allerdings sind sieben Dekaden für ein Bundesland eigentlich ein Kinnergeburtstag. Der Luther, das is ein Geburtstag. Wir alt wird der noch gleich? 500 Jahre, das ist was zum Würdigen.

Der runde Geburtstag unseres Bundeslandes ist doch eine gute Gelegenheit, das Kriegsbeil mit dem Süden zu begraben.

Riemenschneider: Ach, unser Bundesland ist doch nur ein Kunstgebilde aus lauter hessischen Fürstentümern. Das ist am babylonischen Sprachgemisch doch heute noch hörbar. Heute sind noch zwei Landeshälften übrig geblieben. Nord- und Südhessen. Und der Name ist mal gleich Nordhessisch. Der kommt nämlich von den germanischen Chatten. Und die wohnten hier.

Also kein Waffenstillstand zum Geburtstag?

Riemenschneider: Es ist doch alles friedlich. Zum Glück die offene Flanke zur südlichen Sprachgrenze durch einen vulkanischen Basaltkegel geschützt: den Vogelsberg.

Die Sprache der südlichen hessischen Teilbevölkerung klingt doch für uns eingeborene Nordhessen unverständlich und verwirrend.

Apfelwein und Handkäs ist demnach auch nichts für Sie?

Riemenschneider: Zwei Wörter: Ungenießbar und unverdaulich. Für den Nordhessen gilt die eherne Regel: Was er nit kennt ... isst er auch nicht. Die Vielfalt der nordhessischen, fleischzentrierten Nationalspeisen beruht allesamt uff der possierlichen Tiergattung der Schweinchen. Darum gibt es im Schwalm-Eder-Kreis auch so viele davon. Seit alters her sind sie seine wichtigsten Haustiere und sorgen für Ahle Wurscht und Weckewerk.

Aber zum 70. sollten wir mal innehalten und uns an unsere Verfassung, die erste eines Bundeslandes nach dem II. Weltkrieg, und unsere Gründerväter erinnern.

Riemenschneider: Ja, das waren schon bewegte Zeiten. Aber was ist denn geblieben? Auf den Sedimenten der Georg-August Zinn-Ära (Zinn war mit Erwin Stein einer der Väter der neuen hessischen Verfassung) lagern doch nur Börners Dachlatten, Joschkas Turnschuhe und Eicheln. Und was hat uns der Koch hinterlassen? Eine Kampagne für Nord- und Südhessen und wir sind jetzt immerhin ein Mehr-Parteien Land.

Haben Sie noch etwas Versöhnliches zum Abschied?

Riemenschneider: Weniger jammern. Auch wenn wir aus dem Paradies geflogen sind, wir Hessen haben es doch gut. Wir leben seit 70 Jahren in einem gelobten Land.

Quelle: HNA

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