Melsunger Anti-Atombewegung macht weiter

Renate Mahler-Heckmann

Melsungen. Die Atomkatastrophe in Fukushima ist aus den Nachrichten weitgehend verschwunden, trotzdem gibt es im Melsunger Land weiterhin Atomkraftgegner, die aktiv sind. Wir sprachen mit Organisatorin Renate Mahler-Heckmann über das Thema.

Frau Mahler-Heckmann, die Situation in Japan ist offensichtlich unter Kontrolle, der Atomausstieg in Deutschland beschlossene Sache. Warum demonstriert die „Ideengruppe Ausgestrahlt“ in Melsungen weiter?

Renate Mahler-Heckmann: Wir wollen unser Mitgefühl für Japan ausdrücken. Manche Eltern sind verzweifelt, weil sie nicht wissen, wie sie ihre Kinder schützen sollen.

Aber in Deutschland ist das Ende der Atomkraft doch offenbar besiegelt?

Mahler-Heckmann: Der Ausstieg kommt viel zu spät. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es weitere verheerende Unfälle gibt, denn Reaktorunfälle richten sich ja nicht nach den Plänen des Ausstiegs aus der Atomenergie und die Verantwortung für die Endlagerung haben jetzt schon die kommenden Generationen.

Haben Sie es schwerer, nun Gleichgesinnte für Demonstrationen zu motivieren?

Mahler-Heckmann: Nein, gar nicht. Wir sind sehr gut vernetzt. Anfang Dezember war eigentlich gar keine Demo geplant. Angesichts der Aktualität durch den Castortransport haben wir aber dann beschlossen, uns doch zu treffen.

Wie hat sich die Melsunger Anti-Atombewegung seit Fukushima entwickelt?

Mahler-Heckmann: Wir haben 17 Mahnwachen abgehalten. Bei dem ersten Treffen waren es 230 Personen aus Melsungen und den umliegenden Städten und Gemeinden. Zuletzt kamen nur noch 25 Menschen zur Mahnwache. Die Unterstützung ist aber viel größer: Viele sagen uns, dass sie es toll finden, dass wir weitermachen.

Verändert sich mit dem Atomausstieg die Zielsetzung der Bewegung?

Mahler-Heckmann: Jetzt geht es um kommende Generationen. Wir haben immer noch massive Probleme, den strahlenden Müll zu entsorgen. Wir wollen auf jeden Fall weiter die Umwelt schützen, aber auf keinen Fall mit gewaltsamen Mitteln. Wir haben versucht, immer Alternativen zur Atomenergie aufzuzeigen. Beispielsweise könnten wir viel mehr erneuerbare Energien nutzen. Doch gerade bei der Solarförderung wird gekürzt.

Wie kann man lokal zur Energiewende beitragen?

Mahler-Heckmann: Ich bin Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt,Verkehr und Energie der Stadt Melsungen. Im Ausschuss wollen wir ein umfassendes Klimaschutzkonzept für Melsungen erarbeiten und schauen, wo wir sparen können.

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Quelle: HNA

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