Odyssee einer Weihnachtspost

Odyssee einer Weihnachtspost: Brief von Gensunger kam nie an

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Von der Reise gezeichnet: Der Umschlag ist mit Stempeln und Hinweisen übersäht.

Gensungen. Der Brief, der im Wohnzimmer von Bodo und Imme von Rundstedt in Gensungen auf dem Esstisch liegt, hat eine wahre Odyssee hinter sich. Eigentlich sollte er Weihnachtsgrüße übermitteln. Doch daraus wurde nichts. 

Bodo von Rundstedt hatte seinen Brief an seine Bekannte in Bonn bereits am 10. Dezember 2012 weggeschickt. Doch bis heute hat der Brief sein Ziel nicht erreicht. „Der Brief kam zu mir zurück – aber erst nach Neujahr“, erzählt Bodo von Rundstedt. Angeblich sei die Anschrift falsch, stand auf dem Umschlag. Von Rundstedt prüfte die Adresse nach – alles stimmte. Er wagte einen neuen Versuch. „Ich hatte aber keine Lust, nochmal Porto zu bezahlen“, erklärt der 83-Jährige. „Das war ja schließlich nicht mein Fehler, sondern der der Post.“ Also ging er zum Postamt und schilderte einer Mitarbeiterin den Vorfall. Sie brachte den Brief daraufhin ein zweites Mal auf den Weg, ohne neues Porto, dafür mit dem Hinweis auf dem Umschlag: „Anschrift erneut recherchiert – bitte erneut zustellen!“

Post verlangte Nachzahlung

Doch schon drei Tage später landete der Brief wieder bei den Rundstedts. Diesmal stand auf dem Umschlag: „Neues Porto 58 Cent“. Denn Rundstedt hatte seinen Brief noch im Jahr 2012 frankiert, als das Porto noch 55 Cent kostete. Zum 1. Januar wurde das Porto jedoch um drei Cent erhöht.

„Das fand ich eine Unverschämtheit“, sagt Rundstedt. Er fuhr wieder zum Postamt. „Die Fahrt dorthin hat mich mehr gekostet, als die drei Cent zusätzliches Porto“, sagt er und lächelt verschmitzt, „aber mir ging es ums Prinzip.“

Bei der Post gab man ihm diesmal die Nummer der Beschwerde-Hotline. Dort rief Rundstedt an und erzählte von der Odyssee seines Briefs. Das Ergebnis: Die Post sagte zu, ihm zwei 58-Cent-Briefmarken zuzuschicken – die eine, damit er seinen Brief erneut, richtig frankiert, versenden kann, die zweite sozusagen als Entschädigung für seine Mühe.

„Das ist doch Irrsinn“, findet Imme von Rundstedt. „Wenn man sich überlegt, dass der Umschlag, in dem die Marken verschickt werden, ja auch nochmal frankiert werden muss.“

Bodo von Rundstedt wird seinen Brief nun ein drittes Mal auf die Reise schicken – verpackt in einen frischen Umschlag, frankiert mit 58 Cent. In der Hoffnung, dass er diesmal sein Ziel erreicht.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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