Melsunger Dekan Norbert Mecke im Interview: Man kann vom Fußball lernen

Ist seit Mai vorigen Jahres Dekan in Melsungen: Norbert Mecke. Foto: Holscher

Melsungen. Der Melsunger Dekan Norbert Mecke im Interview über Kirchenaustritte und Inspiration aus anderen Bereichen.

Herr Mecke, wenn man sich Zahl der Kirchenaustritte anschaut, könnte man von einem Negativ-Trend sprechen. Erreicht die Kirche die Menschen nicht mehr? 

Norbert Mecke: Klar muss man sich das als Gemeinde fragen. Denn wer geht, zeigt ja, dass ihm nicht mehr einleuchtet, zur Kirche zu gehören. Wir verlieren mit jedem einen wertvollen Menschen und seine Fähigkeiten. Das muss eine Herausforderung für die Kirche sein: Wie können wir den Menschen für ihren Glauben Impulse geben und zeigen, dass Glaube in Gemeinschaft aufblüht. Man muss aber auch sagen: Wir haben fast 31 000 Gemeindemitglieder im Kirchenkreis. Da ist eine gewisse Fluktuation normal und demographische Entwicklungen sind wenig beeinflussbar.

Nochmal zurück zu der eben gestellten Frage: Welche Stellung nimmt Kirche noch im Leben der Menschen ein? 

Mecke: Sie nimmt eine wichtige Stellung ein, vielleicht nimmt man sie nicht immer direkt wahr. Kirche hält vieles vor: Gebäude wie die Kirche, wo man einkehren kann. Sie hält die Frage nach Sinn und Werten des Lebens wach. Mit Taufen, Jugendarbeit, Trauungen, Notfallseelsorge und in Trauersituationen begleitet sie wichtige Lebensmomente besonders.

Zudem ist Kirche präsent bei vielen sozialen Einrichtungen wie Kleiderläden und Tafeln. Sie ist großer Arbeitgeber in der Region.

Blickt man sonntags in die Kirche, sitzen dort überwiegend ältere Menschen. Wie kann man junge Leute begeistern? 

Mecke: Das ist eine Frage, mit der wir uns intensiv beschäftigen. Das funktioniert zum Beispiel über eine gute Gemeindearbeit, aber auch über lebendige Gottesdienste.

Pfarrer müssen sich fragen: Dockt meine Predigt an der Lebenswelt an? Übersetzt sie die christliche Botschaft klar und verständlich ins Heute? Bei Schulgottesdiensten und Konfirmationen wird das mit anderen Worten geschehen als im Seniorenkreis.

Doch wie häufig gelingt das? Viele jüngere Menschen bleiben dem Gottesdienst fern. 

Mecke: Es ist schwer, eine Veranstaltungsform zu finden, mit der sich alle wohlfühlen. Mein Sohn zum Beispiel ist Konfirmand, und er findet viele Kirchenlieder auch langweilig. Ab und an muss sich Kirche vielleicht auch etwas bei anderen Events abschauen, wo Gemeinschaftserlebnisse geschaffen werden. Wie zum Beispiel bei Festivals und beim Fußball.

Wie beim Fußball? 

Mecke: Warum nicht? Dort gibt es auch eine Liturgie, also einen Ablauf, der zelebriert wird. Und wie da gesungen wird! Sogar religiöse Lieder wie „You’ll never walk alone“.

Gibt es solche Ansätze? 

Mecke: Ja. Wir versuchen, ab und an alternative Formen. In Schwarzenberg gibt es einen Gottesdienst für Ausgeschlafene um 14 Uhr. Anderswo Gottesdienste mit Brunch, Bandmusik, Interviews oder Interaktionen. Und natürlich schauen wir auch, wie Kirche präsenter sein kann, wie etwa auf Facebook. Da gibt es Überlegungen. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen, die Kirche kritisieren, uns direkt sagen, was sie stört - und dann so mutig sind, bei Veränderungen in der Gemeinde mitzuwirken. Davon würden beide Seiten profitieren.

Von Max Holscher

Quelle: HNA

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