In die Melsunger Jugendherberge sind 53 Flüchtlinge eingezogen

Finden sich plötzlich in einer neuen Welt wieder: Unter den 53 Flüchtlingen, die seit Wochenmittte in der ehemaligen Melsunger Jugendherberge wohnen, sind auch viele Kinder. Die Helfer kochten ihnen am ersten Tag Nudeln mit Tomatensoße. Fotos:  Brandau

Die ehemalige Jugendherberge ist nun neues Zuhause für Asylsuchende. In Melsungen lernen sie den deutschen Alltag kennen.

Wenn man den Job von Hilmar Ludwig beschreiben sollte, gibt es nur einen Begriff Ludwig ist Alltagserklärer. Der Projektleiter der Baunataler Diakonie (BDKS) ist der Ansprechpartner der 53 Flüchtlinge, die seit dieser Woche in der Melsunger Jugendherberge untergebracht sind. Sie alle sind in einer völlig fremden Welt gelandet - die sie sich nun ganz langsam vertraut machen.

Die meisten von ihnen haben viele praktische und alltägliche Dinge noch nie gesehen, geschweige denn den Umgang mit ihnen geübt. Und so haben Hilmar Ludwig und die vielen ehrenamtlichen Mitglieder der Melsunger Flüchtingshilfe alle Hände voll zu tun.

Sie zeigen den Menschen, die sich eine Mahlzeit zubereiten wollen, wie der Elektroherd funktioniert. Sie demonstrieren, wie man eine Waschmaschine anstellt. Und sie erklären, dass man sich beim Toilettenbesuch nicht auf die Schüssel stellt, sondern sich auf sie darauf setzt. Das bedeutet, dass nichts, absolut nichts selbstverständlich ist für die Menschen, die nach einer oft wochenlangen Odyssee nun in Nordhessen gelandet sind.

Alltag selbst bewältigen

Die Neuankömmlinge stammen aus Afghanistan, Syrien und dem Irak und haben bereits die Erstaufnahmeeinrichtungen durchlaufen. In der Gemeinschaftsunterkunft in Melsungen sollen sie lernen, sich im neuen Alltag zurecht zu finden und ihn selbständig zu bewältigen. Dabei bekommen sie in der Bartenwetzerstadt von vielen Seiten Hilfe.

Bürgermeister Markus Boucsein ist stolz auf die ausgeprägte Willkommenskultur, die in Melsungen herrscht Abgesehen von den Menschen, die in dieser Woche angekommen sind, leben bereits über 100 Flüchtlinge in der Kernstadt und in den Stadtteilen. Selbst im kleinen Günsterode wohnen zwölf Menschen aus Pakistan, berichtet Boucsein. Und die würden von der Dorfgemeinschaft nicht allein gelassen, sondern mit einbezogen, sagt er. Auch die Menschen, die jetzt in der Jugendherberge ankamen, bleiben keinen Tag alleine.

Anwohner aus der Nachbarschaft der Jugendherberge und die Gruppe Asyl und Integration kamen noch am Ankunftstag, brachten Lebensmittel für ein gemeinsames Abendessen und auch für das erste Frühstück. Während die Menschen in den Erstaufnahmeeinrichtungen bekocht werden, müssen sie sich in den Gemeinschaftsunterkünften, wie die Jugendherberge eine ist, selbst versorgen.

Und dafür brauchen sie Elektroherde, Waschmaschinen, Bügeleisen - und das Wissen, wie man mit ihnen umgeht. Die Melsunger haben Antworten auf alle Fragen. Sie haben bereits am ersten Tag Stadtführungen angeboten, haben den Fremden gezeigt, wo sie nun gelandet sind. „Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Hilmar Ludwig. „Wir wollen alles dafür tun, dass sie im Alltag zurecht kommen“.

Den Kindern gelinge das zuerst, sagt Ludwig. Sie machten untereinander erste Kontakte, tobten und spielten zusammen. Die Kinder sind also die ersten, die sich in der neuen Welt zurecht finden. Die Erwachsenen können viel von ihnen lernen.

Quelle: HNA

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