Mit Petition für Obstsorten

Wie ein Melsunger zum Held für eine Gen-Bank wurde

In seinem Element: Peter Haase, ehemaliger Lehrer in Melsungen, baut selbst viele seltene und exotische Pflanzen an. Archivfoto: Mangold

Melsungen. Wie ein Melsunger zum Held für die Versuchsstation Müncheberg wurde: Die Versuchsstation Müncheberg ist eine der wichtigsten Genbanken für Obstsorten in Europa. Peter Haase hat unter anderem mit Petitionen im Brandenburgischen Landtag für ihren Erhalt gekämpft.

In den vergangenen Jahren stand die staatliche Einrichtung in Brandenburg (Märkisch-Oderland) wegen Kürzungen quasi vor dem Aus.

"Einen Teil habe ich sicher dazu beigetragen, dass in Müncheberg noch geforscht und gezüchtet wird", gibt sich der 81-Jährige, der Biologie studiert hat und viele Jahre als Sonderschullehrer in Melsungen gearbeitet hat, bescheiden.

In Müncheberg wachsen mehr als 1000 Apfelsorten, einige von ihnen gibt es seit mehr als 800 Jahren. Hinzukommen hundert Birnensorten und viele andere seltene Obst- und Nussbäume gedeihen dort.

"Müncheberg ist ein immens wichtiges Reservoir an heimischen und potenten Pflanzen." In den kommenden Jahren könne es von herausragender Bedeutung sein, diese Sortenvielfalt langfristig und gesund kultiviert zu haben. Die durch den freien Warenverkehr eingeschleppten Schädlinge bedrohten nach Aussage von Haase die heimische Flora.

Derzeit grassiere beispielsweise ein Pilz, den asiatische Käfer mitgebracht hätten. Dieser Pilz befalle Eschen und töte diese. Der Pilz habe das Potenzial, die Esche auszurotten, sagt Haase.

Mit einer Petition wandte sich Haase im vergangenen Jahr an den Brandenburgischen Landtag. Dort hatte man beschlossen, vier Stellen an der Forschungsstation zu streichen. "Eine Betrieb wäre dann nicht mehr möglich gewesen. Das hätte das Aus bedeutet", sagt Haase. Da Petitionen eine aufschiebende Wirkungen haben, habe er in einer weiteren vorgeschlagen, Müncheberg auf die Bewerbungsliste für das Unesco-Weltkulturerbe nehmen zu lassen. Aus finanziellen Gründen wurde dies aber abgelehnt.

Das rot-rot regierte Land Brandenburg suchte zu diesem Zeitpunkt wohl bereits nach einem Träger für die Einrichtung. Haase brachte Schwung in die Diskussion, wurde sogar von der SPD-Fraktion in den Landtag eingeladen. Auf seine Petition hin, antwortete der Landtag unter anderem, dass es langfristiges Ziel des Ministeriums sei, die bisherigen Aufgaben in einer privatwirtschaftlichen Struktur mit möglichst gemeinnützigem Charakter eigenständig fortzuführen. Mit einer Angliederung an das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) ist dies vorerst geglückt.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

Kommentare