Aus für die Melsunger Post zum Jahresende

+

Melsungen. Nun ist es offiziell: Die Melsunger Post an der Rotenburger Straße wird zum Jahresende geschlossen. Das bestätigte ein Sprecher der Postbank AG auf Nachfrage der HNA.

Das Bonner Unternehmen ist die Betreiberin des Standorts, den die Kundschaft mehr noch mit Brief- und Paketverkehr als mit Finanzdienstleistungen in Verbindung bringt. Dennoch: Die Mitarbeiter an der Rotenburger Straße sind bei der Postbank beschäftigt. Sie verkaufen die Leistungen der Deutschen Post AG – einer anderen Firma – gewissermaßen zusätzlich mit.

Den Melsungern sind diese feinen Unterschiede herzlich einerlei, wenn sie „auf die Post gehen“. Dass das Gebäude mit den gelben Schildern seit zwei Jahren zudem einer dritten Firma gehört, nämlich einer luxemburgischen Investmentgesellschaft, ist älteren Postkunden kaum noch zu vermitteln.

Mit dem Jahreswechsel stehen den Nutzern folgende Änderungen bevor:

• Brief- und Paketdienst: In der Bartenwetzerstadt gibt es künftig keinen Post-Standort mehr, wo man von eigenen Mitarbeitern des gelben Riesen oder dessen Nachfolgefirmen bedient wird. Zurzeit suche die Post AG in der Kernstadt einen privaten Betreiber für eine so genannte Partnerfiliale, sagte Post-Pressesprecher Alexander Böhm: „Wir gehen davon aus, dass wir übergangslos jemanden finden werden.“ Geplant sei, in einem bestehenden Melsunger Einzelhandelsgeschäft alles rund um Briefe und Pakete anzubieten, jedoch keine Finanzdienstleistungen.

• Postbankgeschäfte: Mit der Schließung ihres so genannten Finanzcenters in Melsungen wird es keine eigene Filiale der Postbank im gesamten Schwalm-Eder-Kreis mehr geben. Der nächste Standort mit einem vergleichbaren Dienstleistungsangebot liegt im 16 Kilometer entfernten Baunatal, die nächste Möglichkeit für Geldein- und Auszahlungen haben Postbankkunden bei einer Partnerfiliale der Deutschen Post in Felsberg.

• Bargeldversorgung: Der Geldautomat und der Kontoauszugsdrucker, die sich im Melsunger Postgebäude befinden, werden dort verbleiben, sagte Pressesprecher Oliver Rittmaier von der Postbank: „Die Kunden können sich deshalb wie gewohnt mit Bargeld versorgen.“

Vorläufige Perspektive

Ein großes Schild außen am Gebäude deutet allerdings auf die Vorläufigkeit dieser Perspektive hin: „Zu verkaufen“, wirbt eine Firma Lorac Investment Management mit Sitz in Luxemburg. Falls sich tatsächlich ein Interessent für die Immobilie findet, hat er womöglich eigene Vorstellungen, was aus dem derzeitigen Selbstbedienungsbereich werden soll.

Die Post AG hatte auch ihr Melsunger Gebäude Anfang 2008 in einem Bündel von 1300 Immobilien an den US-Investor Lone Star veräußert. Seither sind die Post AG und federführend die Postbank nur mehr als Mieter an der Rotenburger Straße präsent. Die Beschäftigten dort sollen künftig in anderen Filialen in der Region eingesetzt werden, kündigte Rittmaier an.

Schon vor gut einem Jahr hatten Gerüchte die Runde gemacht, dass die Post in Melsungen demnächst geschlossen werden solle. Damals hatte die Deutsche Post AG auf Anfrage unserer Zeitung auch bestätigt, sie wolle bis 2011 alle eigenbetriebenen Filialen in Agenturen umwandeln. Allerdings hatte es geheißen, dies gelte ausdrücklich nicht für Finanzcenter der Postbank wie das in Melsungen.

Soweit die damalige Auskunft der Deutschen Post AG. Die Postbank indessen kommt jetzt zu einer anderen Bewertung: Man überprüfe das Filialnetz ständig nach wirtschaftlichen Kriterien, sagte Pressesprecher Rittmaier, und aus Sicht der Postbank sei die Kundennachfrage nach Bankdienstleistungen in Melsungen nicht ausreichend für einen lukrativen Betrieb.

Fast alle Bankgeschäfte könnten heute von zu Hause aus per Telefon oder Internet erledigt werden, sagte Rittmaier. „Nach einer gründlichen Analyse“ habe man die Entscheidung getroffen, den Melsunger Standort zu schließen. Postbankkunden in der Bartenwetzerstadt könnten sich künftig alternativ auch durch Außendienstmitarbeiter zu Hause beraten lassen.

Quelle: HNA

Kommentare