Keine Hinweise auf tote Soldaten

Melsunger will Umstände des Einmarschs amerikanischer Truppen klären

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Alter Friedhof: Ein öffentliches Soldatengrab gibt es noch an besagter Stelle. Im Vordergrund befanden sich weitere Gräber, die aber privat gepflegt wurden und 2000 eingeebnet worden sind. In diesen vermutet Reinhard Micke unbekannte gefallene Soldaten.

Melsungen. Reinhard Micke möchte Gerechtigkeit. Der 68-jährige pensionierte Lehrer aus Melsungen vermutet auf dem alten Melsunger Friedhof gefallene Soldaten, die nicht an die Deutsche Dienststelle WASt gemeldet worden sind.

Aus dem Buch der Melsunger Stadtgeschichte und mithilfe von Augenzeugen hat er rekonstruiert, dass am Samstag, 31. März 1945, in Melsungen bis zu neun Soldaten gefallen sein könnten. Bei der Deutschen Dienststelle in Berlin seien diese allerdings nicht gemeldet, es gebe keine Hinweise auf Grabsteinen, im Kirchenarchiv und den Unterlagen der Stadt auf die Toten.

Zwei erschossene Zivilisten sind für diesen Tag, den Tag des Einmarschs der amerikanischen Truppen gemeldet. Das war am 31. März, für Ostersonntag, 1. April, sind es zwei Zivilisten und ein Obergefreiter. Aber Micke ist sich sicher, weitere Soldaten sind gefallen. „An diesem Tag im März ’45, sind die amerikanischen Truppen in Melsungen einmarschiert. Es gab Tote. Soldaten wurden verheizt, vielleicht gab es sogar von der SS beauftragte standrechtliche Erschießungen“, spekuliert er.

Diese waren damals durchaus nicht selten. In der Enzyklopädie des Nationalsozialismus von Wolfgang Benz heißt es: „Den Urteilen der Standgerichte, die ab Februar 1945 gebildet wurden, fielen zahlreiche Personen zum Opfer: Schätzungen gehen von mehreren Tausend Zivilpersonen aus“.

Micke fordert Stadt und Kirche auf, zu klären, wer in dem Soldatengrab auf dem alten Melsunger Friedhof liegt und nicht gemeldet wurde. Im Buch der Stadtgeschichte berichte ein Augenzeuge schließlich von etwa 15 getöteten Menschen an diesem Tag.

Die Stadt Melsungen kann diese Zahl sogar bestätigen. Es sei bekannt, sagt Otto Günther, Standesbeamter in Melsungen, dass damals sechs Menschen beim Einmarsch der Amerikaner ums Leben kamen und neun weitere verletzt wurden, von denen sechs später im Lazarett ihren Verletzungen erlagen. Von standrechtlich erschossenen Wehrmachtsangehörigen ist im Standesamt Melsungen hingegen nichts bekannt. „Alle hier verstorbenen und beurkundeten Soldaten sind der Deutschen Dienststelle in Berlin (WASt) mitgeteilt worden, heißt es weiter.

Von den getöteten Soldaten müsste es doch Soldbücher und Erkennungsmarken geben, sagt Micke. Er befürchtet, dass die Toten damals unter den Teppich gekehrt worden seien. Es sei aber nicht zu spät: Sollte es diese Toten geben, müssten sie der Gerechtigkeit und der Angehörigen wegen gemeldet werden. Notfalls auch als unbekannt. Wegen fehlender Unterlagen und nicht vorhandener Hinweise sehe sich die Stadt aber außerstande dies zu tun. Für ihn sei das unverständlich.

Reinhard Micke beschäftigt sich auch mit der Verteidigung Obermelsungens im Jahr 1945. Dort soll es seiner Meinung nach zwei Gräber geben, in denen unbekannte Hitlerjungen liegen sollen. Auch darauf habe die Stadt Melsungen aber keine Hinweise. • Kontakt: Reinhard Micke, Tel. 05661/2786

Quelle: HNA

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