„Pyramide“ erklang in der Kirche Frankenhain

Mensch ist sich der schlimmste Feind

Brachten Pyramide zum Klingen: Roswitha Aulenkamp, Theodor Hoffmeyer, Steffen Modrow und Martin Speicher. Foto: Rose

Frankenhain. Zu was Flugangst manchmal gut ist, erlebten am Sonntag die Zuhörer in der Frankenhainer Kirche: Dort präsentierte die Ziegenhainer Pianistin und Komponistin Roswitha Aulenkamp zusammen mit den Musikern Theodor Hoffmeyer, Steffen Modrow und Martin Speicher ihr Werk „Pyramide“ – organisiert hatten den Abend das Kulturnetzwerk Landrosinen und die Initiative Schwalm ohne Autobahn als Teil des Kunstprojektes „Kunstweg 49a“.

Vorsitzender Jörg Haafke spannte in seiner Begrüßung den Bogen des epischen Werkes zum Autobahnbau und erinnerte daran, dass sich der Mensch die Erde auf rücksichtslose Art und Weise untertan mache. Ausgerechnet im Flugzeug habe sie Hans-Joachim Bauers Buch „Die Bleiarche“ entdeckt, erklärte die Künstlerin: „Gegen Flugangst hat es nicht geholfen, aber die Zeilen haben mich inspiriert.“ Die Menschen in Bauers Buch waren von einer Umweltkatastrophe bedroht.

Botschaft an die Zukunft

Diese Thematik übersetzte Aulenkamp eindrucksvoll in eine bild- und klanggewaltige Komposition. Texte aus dem Alten Testament und der Sonnengesang des Heiligen Franziskus sind kunstvoll ineinander verwoben. Darin finden sich Botschaften an die Zukunft. „Die Menschen, die nur noch Nummern sind, flüchten auf die Arche Noah“, erläuterte Aulenkamp. Die Botschaften sind Zeugnisse des Menschseins, Schriftstücke und Dokumente, Bekenntnisse ihres Arbeits- und Lebensraums. So startete die Arche in eine zukünftige Welt. Die Partitur visualisierte die Künstlerin auf zwei imposanten Holzpyramiden.

Die Dreiecke symbolisierten das Bleibende und Dauernde – wie die ägyptischen Pyramiden. Diese Bedeutung verstärkte sich durch Percussionist Steffen Modrow. Der Schlagzeuger spielte verborgen in einer der Pyramiden – dumpfe Töne und Schläge, die aus den Tiefen der Erde aufzusteigen schienen.

Wellen der Sintflut

Im Zentrum der Musik standen die Wellen der Sintflut. Den Musikern gelang es eindrucksvoll, das Anschwellen zu imitieren. Saxophonist Speicher umfing das Publikum mit durchdringenden, schrillen, sturmgebeutelten Klängen. Aulenkamp ließ die Orgel chaotisch und ungestüm aufbrausen. Gottes Vernichtungsbeschluss interpretierte Hoffmeyer. Singend, rufend, flehend und bettelnd parlierte er die Litanei. Am Ende stand eine verblüffende prophetische Aussage: Bedrohung und Auslöschung der Schöpfung sind nicht Sache Gottes. Der Mensch ist sich selbst der schlimmste Feind.

In uns allen steckt wohl der Widerspruch, dass wir einerseits eine Gier nach Katastrophen empfinden. Andererseits fürchten wir nichts mehr als reale Katastrophen wie Krieg, Erdbeben oder Flut.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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