Stille Trauer am Teich

Menschen in Seigertshausen stehen nach Unglück unter Schock

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Gespenstische Ruhe: Nach dem entsetzlichen Unglück vom Samstagabend sind die Menschen im Neukirchener Ortsteil Seigertshausen erschüttert. Wenige sind am Montagvormittag im Ort oder am Teich unterwegs.

Seigertshausen. Der Lebensmittelladen in Seigertshausen bekommt Ware, Handwerker und Landwirte gehen ihrer Arbeit nach – Arbeitsalltag. Geredet wird aber nur über die drei Kinder, die Samstag in dem Löschteich ertrunken sind.

„Die ganze Aktion war Wahnsinn. Nachts um Drei brannte in den meisten Häusern noch Licht“, schildert eine Frau ihre Eindrücke von der Unglücksnacht. „Ich muss nur noch weinen. Die Kinder sind im Alter meiner Enkel“, sagt eine ältere Frau, während sich ihre Augen mit Tränen füllen. Die drei Kinder habe sie gut gekannt. „Sie waren viel im Ort unterwegs, unglaublich freundlich und auffallend hübsch.“

Besonders die älteren Leute seien hellauf begeistert von den lebhaften und offenen Kindern gewesen, beschreibt es die Anwohnerin. Die Kinder der Familie hätten das „Dorfbild bunter gemacht“. Schnell sei die Familie aus Saarbrücken in der Schwalm heimisch geworden.

Nachbarn erzählen, sie gingen regelmäßig in den Lebensmittelladen um die Ecke, holten zusammen mit dem Vater Milch bei einem Landwirt im Ort. Die Mutter habe gesagt, die Kinder sollten im Grünen und ländlich aufwachsen, erzählt eine Nachbarin. Der Vater der Kinder sei bereits Mitglied im Sportverein und habe mit den Kindern auf dem Platz häufiger Fußball geschaut.

Viele Seigertshäuser wollen aber auch gar nicht über das traurige Ereignis sprechen. Man habe die Familie nicht gekannt, sagt einer. Ein anderer Nachbar sei erst am Sonntag aus dem Urlaub gekommen. „Lassen Sie uns in Ruhe trauern“, antworten andere wütend auf Nachfragen der Medienvertreter. Man kennt sich in dem 700-Einwohner-Dorf. Gegenüber Fremden wollen die meisten kein Wort verlieren, wollen nicht belästigt werden.

Was nicht öffentlich ausgesprochen wird, ist am Löschteich zu sehen: Wurden dort am Sonntag nur einzelne Kerzen, Blumen und Stofftiere abgelegt, haben andere inzwischen eine große Karte dazugelegt. Zu lesen ist nur ein Wort – in roten Großbuchstaben: „Warum?“ Rundherum stehen weitere Kerzen in weiß und rot oder Stoffteddys mit braunem oder grauem Fell. Oft sind die Stofftiere oder Kerzen gruppiert – drei zusammen. Viele Teelichter sind bereits erloschen, einzelne Kerzen brennen noch.

Vor einer Woche wurde auf der Wiese rund um den Teich noch gefeiert. Am Sonntag, 12. Juni, hatte der Vdk-Ortsverein zum Spießbratenessen eingeladen. Es ist eine von vielen Feiern, die über das Jahr verteilt rund um das künstliche Gewässer gefeiert werden.

Am Montagvormittag versammelten sich lediglich Journalisten von am Löschteich.

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Quelle: HNA

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