In Merzhausen gab es eine jüdische Gemeinde - Der Dorfverbund erinnert an sie

Spuren jüdischen Lebens: Erinnerungen an die jüdischen Nachbarn sind in Merzhausen noch viele erhalten, hier der Friedhof. Der Dorfverbund Merzhausen weist jetzt mit Schildern auf markante Stellen – nicht nur der jüdischen Geschichte – im Dorf hin. Foto: Grede

Merzhausen. Der 9. November 1938 gehört zu den dunkelsten Kapiteln der deutschen Geschichte. Es brannten jüdische Geschäfte und Synagogen. In Merzhausen gibt es noch einige Spuren der jüdischen Gemeinde. Hinweistafeln erinnern jetzt an die einstigen Nachbarn.

Die neuen Hinweistafeln des Merzhäuser Dorfverbundes lassen auf ein einst vielfältiges kulturelles Leben der jüdischen Gemeinde in Merzhausen schließen.

Da ist die Judengasse in der Ortsmitte, in der früher in fast jedem Haus jüdischen Mitbewohner lebten. Dort ist die Stelle an der die Mikwa, das Ritualbad, stand. Da ist die jüdische Schule, die jetzt als Vereinsheim genutzt wird, und da ist auch das Haus des Salomon Spier, der 1945 aus dem Lager Theresienstadt nach Merzhausen zurückkehrte und dort 1947 starb.

1933 gab es unter den 750 Einwohnern Merzhausens 53 Juden. Wie kaum ein anderer Hinweis symbolisiert das weiße Schild an einem Baum hinter dem kleinen Fachwerkhaus in der Ziegenhainer Straße, der ehemaligen jüdischen Schule, das jähe Ende der Gemeinschaft.

Gottfried Ruetz (von 1951 bis 1969 Pfarrer in Merzhausen,† 1990 in Schwalmstadt) bescheinigte den Merzhäusern, ihren jüdischen Mitbewohnern nicht feindlich gegenüber gestanden zu haben. Nur wenige seien bedingungslos der Propaganda und Hetze gegen die Juden gefolgt, so Ruetz im Buch „Heimatvertriebene Nachbarn, Beträge zur Geschichte der Juden im Kreis Ziegenhain“.

„Die Schreie der gemarterten Juden sind vielen, die das miterlebten, unvergesslich im Ohr geblieben.“

Dennoch habe der Krieg weitere Einschnitte für die jüdische Bevölkerung gebracht. Unvergessen blieb vielen der Tag, an dem die letzten jüdischen Männer ins kleine Wachthäuschen gesperrt wurden und dort verprügelt wurden. „Die Schreie der gemarterten Juden sind vielen, die das miterlebten, unvergesslich im Ohr geblieben“, schreibt Ruetz.

Gebäude abgerissen

Zuletzt waren nach Auswanderung und Deportation alle Juden aus Merzhausen verschwunden, ihre Häuser verkauft, die Synagoge geschlossen. Dieses Gebäude wurde 1951 komplett abgerissen.

Das Zusammenleben

Ruetz berichtet auch vom Zusammenleben der Merzhäuser unterschiedlicher Konfessionen. Zum Beispiel störten die katholischen Bewohner des Weiterhausenschen Gutshofes den protestantischen Gottesdienst am monatlichen Bettag mit dem Rasseln der Milchkannen, weil es ein Wochentag war. Und laute Unterhaltung und Handel der jüdischen Handelsleute am Sonntag störte die Kirchenbesucher.

Zu einem Zerwürfnis soll es auch im Männergesangverein gekommen sein, dem viele jüdische Männer angehörten. Es gab Ärger um die hohen christlichen Feiertage, wenn die jüdischen Sänger fehlten. Letztendlich führten die Reibereien zum Bruch. Gegen den Willen der jüdischen Sänger wurde der Verein aufgelöst und der neue Christliche Männergesangverein gegründet.

Quelle: HNA

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